Runde um Runde

Bis nur noch einer rennt: Bob Scholtes und Gil Nicola haben Luxemburg beim „99 Laps“ vertreten

Jede Viertelstunde verkleinert sich das Teilnehmerfeld um einen Konkurrenten: Beim „99 Laps“ wird nach jeder 1,2-Kilometer-Runde der Letzte, der ins Ziel kommt, eliminiert. Zwei Luxemburger – Bob Scholtes und Gil Nicola – standen am Samstagabend in Essen (D) an der Startlinie des außergewöhnlichen Formats.

Gil Nicola und Bob Scholtes wagten sich an die schwere Aufgabe in Essen heran

Gil Nicola und Bob Scholtes wagten sich an die schwere Aufgabe in Essen heran Foto: Bob Scholtes/Instagram

Taktik, Ausdauer und ein eingespieltes Betreuerteam sind ausschlaggebend: Um beim „99 Laps“ die besten Chancen auf ein gutes Ergebnis aufrechtzuerhalten, müssen die Rädchen ineinandergreifen. Bob Scholtes, einer der bekanntesten Influencer-Athleten Luxemburgs, hat schon mehrere dieser Veranstaltungsformate mit besonderem Anspruch hinter sich. Von der Verpflegung bis zur medizinischen Betreuung muss nach jeder Runde alles klappen, denn meist bleiben nur ein paar Minuten Zeit.

In Essen (D) waren am Samstagabend insgesamt 128 Athleten gemeldet, darunter auch Persönlichkeiten wie der deutsche Fußball-Weltmeister André Schürrle. Dieser stieg übrigens nach der sechsten Runde aus. Das Konzept ist simpel: Nach der Qualifikationsrunde werden die Starter in unterschiedliche Blöcke eingeteilt. Wer später aufgrund der schnelleren Quali-Zeit im Block A „gesetzt“ ist, hat logischerweise die bessere Ausgangslage und darf mit einem entsprechenden Vorsprung loslaufen.

Jeder Teilnehmer ist mit einem Betreuer-Team unterwegs

Jeder Teilnehmer ist mit einem Betreuer-Team unterwegs Foto: Bob Scholtes/Instagram

Jede Viertelstunde wird das komplette Teilnehmerfeld auf die 1,2 Kilometer lange Strecke geschickt. Wer als Letzter ankommt, ist raus. „Es wird schon ein bisschen gedrückt und geschubst. Es wird jetzt wohl immer schneller werden“, sagte Scholtes in einer Instagram-Story am frühen Sonntagmorgen. Zu dem Zeitpunkt hatte er bereits über 30 Runden hinter sich.

Nicola: Schluss nach 49 Runden

Gil Nicola war der andere Starter unter luxemburgischer Flagge. Der Athlet hat sich bereits einen Namen in der Hyrox-Szene gemacht. Beim „99 Laps“ sicherte er sich mit 3:34 Minuten in der Qualifikation einen Platz im Startblock A und durfte aus einer der ersten Reihen starten. Runde um Runde wurde die Konkurrenz stärker: Nach 49 Runden und fast 60 Kilometern Dauerlauf war für Nicola am Sonntagmorgen Schluss.

Gil Nicola ließ sich auf der letzten Runde feiern

Gil Nicola ließ sich auf der letzten Runde feiern Foto: Instagram/Gil Nicola

Für Scholtes ging es mit einer zwischenzeitlichen Durchschnittspace von unter 5:00 Minuten weiter. Um 11.45 Uhr begab er sich am Sonntagmorgen bereits auf die 64. Runde am Stück – neben 48 Mitstreitern. Zwischenzeitlich wurden ihm in den Pausen vor dem nächsten Start kleine Mahlzeiten gereicht oder die Beine massiert. „Es hören immer wieder einige auf, aber ich starte trotzdem noch immer schnell, um am Ende nicht in Bedrängnis zu kommen“, erklärte Scholtes kurz vor Mittag. Um 14.30 Uhr wurde er bereits auf „Lap 75“ geschickt. Der 22-Jährige blieb zu diesem Zeitpunkt, 18 Stunden und 30 Minuten nach dem Start, noch immer dicht an den Top Ten dran.

Scholtes hält dem Druck stand

Mit Zeiten um die fünf Minuten pro Runde blieb Scholtes trotz einsetzender Regenschauer auf Kurs. Für taktische Spielchen blieb nun kaum noch Spielraum: Es musste voll gelaufen werden, denn zwischenzeitlich reichten nicht einmal 4:55 Minuten, um jemanden hinter sich zu lassen.

Ab Runde 80 trennte sich dann die Spreu vom Weizen, denn es flogen pro Runde jetzt zwei Teilnehmer raus. Für den Luxemburger wurde es richtig knapp, als er sich mit 3:55 Minuten noch ganz knapp für Runde 85 qualifizierte. Er hatte u.a. die einzige verbleibende Frau, Delia Binninger, in einem verrückten Schlussspurt hinter sich gelassen und es unter die letzten 22 geschafft.

Scholtes: Platz 19 und „stolz“

Um 17.19 Uhr stand dann fest, dass er das Rennen auf Platz 19 beenden würde: „Ich bin nicht der Schnellste, aber ich habe alles gegeben. Es ist gar nichts mehr im Tank. Das ist, was zählt“, waren die ersten Worte nach dem Zieleinlauf. „Ich bin stolz“, sagte Scholtes, der bereits versprach, dass er schneller werden will: „In der Qualifikation bin ich eine neue Bestzeit gelaufen.“

Der Sieger des Rennens wird übrigens nach 24 Stunden und 45 Minuten ermittelt – heißt nach über einem Tag und 118,8 Kilometern in einer Durchschnittspace von unter vier Minuten (pro km!) in den Beinen.

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