NFL
Ärger um den Super Bowl: Bad Bunny singt, Batman poltert
Erst wetterte Donald Trump gegen Bad Bunny und die Halbzeitshow, dann sagte der US-Präsident seinen Besuch beim Super Bowl in Kalifornien ab. Die angespannte politische Lage in den USA ist auch rund um das Footballspektakel ein Thema.
„Absolut lächerlich“ und „verrückt“ nannte Donald Trump die Entscheidung für einen Auftritt des Rapstars Bad Bunny in der Halbzeitshow Foto: AFP/Jaime Saldarriaga
Als die Wahl auf Bad Bunny fiel, zuckte Donald Trump mit den Schultern. „Ich weiß nicht, wer das ist“, sagte der US-Präsident über den Rapstar aus Puerto Rico, der am Wochenende beim Super Bowl LX für die Halbzeitshow sorgen wird. „Absolut lächerlich“ und „verrückt“ sei die Entscheidung für den Künstler, wetterte Trump, doch an den Verantwortlichen der National Football League (NFL) um Boss Roger Goodell prallte die Kritik einfach ab.
Natürlich hat die Aufregung inmitten der großen politischen und gesellschaftlichen Spannungen im Land Ursachen. Denn Bad Bunny, mit bürgerlichem Namen Benito Antonio Martinez Ocasio, macht bei seiner Welttournee einen Bogen um die USA – weil er bei der Planung befürchtete, dass es am Rande seiner Konzerte Einwanderungsrazzien durch die Behörde ICE geben könnte. Die Reaktion aus dem Weißen Haus kam deshalb nicht überraschend.
„Bad Bunny ist einer der beliebtesten Entertainer der Welt“, konterte Goodell zuletzt, die Wahl sei „sorgfältig durchdacht“. Gerade erst bekam der 31-Jährige in Los Angeles den Grammy für das Album des Jahres, also den wichtigsten US-Musikpreis. Begleitet wurde die Gala von Protesten. „Bevor ich Gott danke, werde ich ‚ICE raus‘ sagen“, meinte der Latino-Star in seiner Dankesrede auf der Bühne: „Wir sind keine Wilden, wir sind keine Tiere, wir sind keine Fremden: Wir sind Menschen und wir sind Amerikaner.“
Diskussionen um ICE-Einsatz
Die Auszeichnung ist für Goodell eine Bestätigung. „Bad Bunny hat gestern Abend gezeigt, dass er einer der größten Künstler der Welt ist“, sagte der Commissioner nach der Preisverleihung. Außerdem habe er „die Bedeutung dieser Bühne verstanden“, denn sie diene dazu, „Menschen zu vereinen“. Trump auf der anderen Seite ist davon überzeugt, dass der Auftritt beim Finale „Hass schüre“.
Der NFL ist das egal. Das wurde spätestens deutlich, als die Liga für die Eröffnungszeremonie vor dem 60. Super Bowl in Santa Clara/Kalifornien auch noch Green Day (Hit: „American Idiot“) engagierte. Wohlgemerkt nach den harten Worten des Präsidenten. Die Punkrock-Band aus dem nahegelegenen Rodeo hat eine klare Haltung, Frontmann Billie Joe Armstrong nannte Trump im vergangenen Sommer einen „fetten Bastard“. „America the Beautiful“ singt übrigens Brandi Carlile, LGBTQ+-Aktivistin und Trump-Gegnerin.
„Ich bin zutiefst traurig und wütend über Minnesota“, schrieb Carlile jüngst bei Instagram. Dort hatten ICE-Beamte zwei US-Bürger erschossen. Zuletzt gab es Pläne für einen Einsatz der Behörde auch rund um das Sportspektakel, derzeit sieht es nicht danach aus, als würde es dazu kommen. Dass es überhaupt diskutiert wird, sorgt natürlich für Ärger.
Etwa bei der Fragestunde der Stadtratssitzung in Santa Clara. Dort tauchte ein als Batman verkleideter Mann auf und redete sich in Rage. „Was zum Teufel tun wir hier eigentlich?“, fragte der Unbekannte und schlug mit der Faust auf das Rednerpult. „Jeden Tag sterben Menschen auf unseren Straßen in diesem Land, weil wir zulassen, dass diese Bundesregierung uns mit Füßen tritt.“ Die Diskussionen werden bis zum Super Bowl nicht abreißen. (SID)