Basketball

Ivan Delgado und der komplizierte Weg zurück

In seiner knapp fünfjährigen Profikarriere ist Ivan Delgado viel herumgekommen. Es war eine Zeit, in der der 27-Jährige immer wieder durch Verletzungen ausgebremst wurde und sich nach neuen Vereinen umschauen musste, die letztlich jedoch ein glückliches Ende nahm. Zurück in Luxemburg, musste er sich erst einmal wieder an den Alltag gewöhnen.

Ivan Delgado in T71 Düdelingen Trikot beim Basketballspiel in Luxemburg, Rückkehr in die Saison 2024

Ivan Delgado ist seit dieser Saison zurück in Luxemburg und läuft für den T71 Düdelingen auf Foto: Editpress/Gerry Schmit

Lehrbücher anstatt Training: Der Alltag von Ivan Delgado hat sich in den letzten Monaten komplett verändert. Knapp fünf Jahre war der inzwischen 27-Jährige als Profibasketballer unterwegs und ist dabei durchaus herumgekommen. Island, Deutschland, die Niederlande, Bulgarien oder Portugal – alles Länder, in denen der Nationalspieler auf dem Parkett stand. Seit dem Sommer ist er nun endgültig zurück in Luxemburg und musste erkennen, dass der Weg in den normalen Alltag doch schwieriger ist als gedacht.

„Für mich persönlich war diese Saison bisher schon kompliziert, nicht nur was den Basketball betrifft, sondern auch das persönliche Leben“, erklärt Delgado. Derzeit steht bei ihm nämlich wieder Lernen auf dem täglichen Programm, da er das Diplom des „éducateur gradué“ erwerben möchte. „Ich stelle mir wirklich die Frage, wie ich das damals in meiner Jugend hinbekommen habe, Basketball und Schule zu kombinieren“, gibt er mit einem großen Lachen zu.

Die letzten Jahre hatte der 27-Jährige jedenfalls einen ganz anderen, fast schon monotonen Rhythmus, wie er weiter erzählt. „Als Profispieler geht man zum Training, isst, schläft und geht noch einkaufen. Viel zu tun gibt es nicht wirklich. Ich war es auch gar nicht mehr gewohnt, im Stau zu stehen, wenn ich zum Training fahre. Es sind auch solche Kleinigkeiten, die mir die Umstellung anfangs schwer machten.“ Inzwischen hat er sich aber an seinen neuen Alltag gewöhnt.

Der richtige Zeitpunkt

Einen Schlussstrich unter seine Profikarriere zu ziehen, fiel ihm jedoch nicht ganz so schwer, wie er betont: „Ich bin eine realistische Person, und wenn ich etwas einsehe oder akzeptiere, dann ziehe ich es auch durch. Ich hatte noch Angebote, um weiterzuspielen, doch für mich war es Zeit, auch an meine Zukunft zu denken.“

Während seiner Karriere wurde der 27-Jährige immer wieder von Verletzungen zurückgeworfen und weiß daher nur zu gut, wie schnell alles vorbei sein kann. „Mit dem Gedanken, zurückzukommen, habe ich schon eine Zeit lang gespielt, und es ist ja auch nicht so, dass ich den Basketball komplett losgelassen hätte.“

In Portugal im Frühjahr mit dem SC Braga den Aufstieg geschafft zu haben, war dann auch das Happy End, das ihm die Entscheidung zusätzlich erleichtert hat.

Mit dem Gedanken, zurückzukommen, habe ich schon eine Zeit lang gespielt, und es ist ja auch nicht so, dass ich den Basketball komplett losgelassen hätte

Ivan Delgado

Seit dieser Saison trägt Ivan Delgado nun das Trikot des T71 Düdelingen. Für viele ist es ungewohnt, ihn nicht mehr bei seinem Heimklub Ettelbrück zu sehen – für den Nationalspieler selbst anfangs auch. Sich auf den T71 einzustellen, war für den 27-Jährigen allerdings gar nicht schwer.

„Es fühlt sich ein wenig wie bei meinen ehemaligen Profiklubs an. Düdelingen ist ein Verein, bei dem man als Spieler exzellente Bedingungen vorfindet. Es ist ein großer Klub mit vielen Leuten, die viel Zeit investieren und viel für die Jugend tun.“

Große Umstellung

Mit Düdelingen, das vor der Saison noch als großer Meisterschaftsfavorit gehandelt wurde, verlief die Spielzeit für Ivan Delgado bisher nicht unbedingt nach Plan. Ein früher Trainerwechsel, viele Verletzungen und ein absoluter Negativpunkt am 4. Januar gegen den Basket Esch – als das Team aus der „Forge du Sud“ sich mit 45:82 geschlagen geben musste – spiegelten die bisherige Saison der Düdelinger eigentlich perfekt wider.

Der Ersatz für US-Spieler Long, von dem sich der Klub in der Weihnachtspause getrennt hatte, riss sich bereits nach einem Tag die Achillessehne. Da auch der zweite Profi Jimmie Taylor verletzt war und Denell Stephens Anfang des Jahres krankheitsbedingt passen musste, stand zu diesem Zeitpunkt kein einziger ausländischer Spieler für den T71 auf dem Parkett.

Ivan Delgado in Nationalmannschaftstrikot beim Training Ende Februar, Vorbereitung auf Länderspiele

Ende Februar ist Ivan Delgado auch wieder mit der Nationalmannschaft gefordert Foto: Editpress/Gerry Schmit

Seither läuft es aber besser: Die letzten drei Spiele wurden allesamt gewonnen und der 27-Jährige sieht das Team derzeit auf einem guten Weg. „Das war halt Pech, auf das wir keinen Einfluss hatten“, bemerkt Delgado. „Jetzt sind wir endlich in einem Rhythmus angekommen, in dem jeder da ist.“ Denn auch bei den luxemburgischen Spielern machte die eine oder andere Verletzung die personelle Situation nicht einfacher. „Eine Mannschaft braucht einfach Chemie, um gut zu spielen. Wenn man gegen Teams wie die Etzella oder Sparta, die sich seit Jahren kennen, mithalten möchte, ist das essenziell.“ Dass Chemie und Zusammenhalt zwei große Erfolgsfaktoren sind, hat er aus seiner Profizeit mitgenommen. „Anders als der Basketball, der gespielt wird, ist das überall gleich.“

Von Coach Yves Defraigne zeigt sich Ivan Delgado ebenfalls begeistert, auch wenn er unter ihm ordentlich gefordert wird. „Yves lässt einen sehr strukturierten Basketball spielen, was für mich auf meiner Position nicht ganz so einfach ist“, erklärt der Point Guard schmunzelnd. „Es ist ein Basketball, bei dem man viel mitdenken muss. Nicht immer einfach, aber etwas, das mir auf jeden Fall weiterhelfen wird.“

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