Tour de France

12. Etappe: Tim Merlier bleibt der König der Sprinter

An Tim Merlier führt kein Weg vorbei: Der Belgier bestätigte am Donnerstag in Châlon-sur-Saône einmal mehr, dass er der beste Sprinter dieser 113. Tour de France ist. Mit seinem dritten Etappensieg gewann er die zwölfte Etappe, die von einem schweren Sturz auf den letzten Metern überschattet wurde.

Tim Merlier jubelte am Donnerstag über seinen dritten Etappensieg

Tim Merlier jubelte am Donnerstag über seinen dritten Etappensieg Foto: AFP/Jeff Pachoud

Wenn es ums Gelbe Trikot geht, dominiert Tadej Pogacar das Geschehen. Der Slowene führt die Gesamtwertung souverän an und steuert scheinbar mühelos auf seinen fünften Tour-Sieg zu. Im Kampf ums Grüne Trikot liegt dagegen Mads Pedersen vorn. Der Däne sammelt bei den Zwischensprints fleißig Punkte und führt deshalb die Punktewertung an – auch wenn diese oft fälschlicherweise als Wertung für den besten Sprinter bezeichnet wird.

Denn der beste Sprinter dieser Tour heißt nicht Pedersen, sondern Tim Merlier. Der Belgier ist der unangefochtene König der Massensprints und hat drei der bislang fünf Sprintankünfte für sich entschieden. Auch am Donnerstag setzte sich der Fahrer von Soudal Quick-Step im perfekten Moment durch. Er verwies Olav Kooij, der bereits sein viertes Podium bei dieser Tour erreichte, auf Rang zwei. Jasper Philipsen musste sich trotz der starken Vorarbeit seines Alpecin-Teams erneut mit einem Platz hinter dem Sieger begnügen.

Für den 33-jährigen Merlier war es bereits der sechste Etappensieg bei der Tour de France und der 75. Erfolg seiner Profikarriere. Um den Moment festzuhalten, bat er anschließend Tadej Pogacar, das Trikot seines Sohnes Jules zu unterschreiben und gemeinsam mit ihm ein Foto zu machen.

Heftiger Sturz im Finale

„Er ist noch jung, aber vielleicht erinnert er sich später mal daran. Dass meine Familie hier war, hat mir zusätzliche Motivation gegeben. Deshalb bedeutet mir dieser Sieg besonders viel“, sagte Merlier. Der Belgier ist mit Cameron Vandenbroucke liiert, der Tochter des belgischen Radsporttalents Frank Vandenbroucke, der 2009 im Alter von nur 34 Jahren starb.

Kurz zuvor war es auf der Strecke deutlich weniger idyllisch zugegangen. Nachdem die Sprintankünfte bislang von größeren Stürzen verschont geblieben waren, kam es auf den letzten Metern zu einem heftigen Crash. Betroffen waren u.a. der Franzose Dorian Godon und der Kolumbianer Fernando Gaviria, der sich dabei das Schlüsselbein brach.

Schon in den letzten 25 Kilometern war das Rennen äußerst lebhaft verlaufen. Vor allem Quinn Simmons und seine Teamkollegen von Lidl-Trek sorgten mit mehreren Attacken für Hektik im Feld. „Wir wollten einfach etwas versuchen. War doch schön anzusehen, oder?“, sagte Sportdirektor Kim Andersen anschließend schmunzelnd.

Die Offensivaktionen zwangen die Sprintteams zu harter Arbeit – insbesondere am Anstieg nach Montagny-lès-Buxy. Dort machte Simmons, auch als „Captain America“ bekannt, mächtig Tempo und fand sogar noch die Zeit, seinem am Straßenrand stehenden Vater die Hand abzuklatschen.

Veistroffer wieder im Angriffsmodus

Erneut im Mittelpunkt des Ausreißens stand der Franzose Baptiste Veistroffer. Zunächst war er allein unterwegs, später schlossen Mattéo Vercher, Damiano Caruso und Ewen Costiou zu ihm auf. Danach setzte er seine Flucht nur noch gemeinsam mit Costiou fort, ehe auch dieser abreißen lassen musste. Der als „Wildschwein von Fouesnant“ bekannte Franzose kämpfte anschließend wieder allein weiter, bevor er 33 Kilometer vor dem Ziel nach seiner dritten Flucht bei dieser Tour eingeholt wurde. Die Sprintteams waren jedoch nicht bereit, ihre wohl letzte realistische Chance auf einen Massensprint vor der Schlusswoche aus der Hand zu geben.

Denn bereits am Freitag beginnt mit der Auffahrt zum Ballon d’Alsace der Weg in die Berge. Am Samstag stehen weitere schwere Anstiege in den Vogesen auf dem Programm, ehe am Sonntag die Alpen warten.

„Ab morgen geht es für mich vor allem ums Überleben“, sagte Merlier. An das Grüne Trikot glaubt der Belgier inzwischen kaum noch. Er habe diese Wertung ohnehin nie wirklich ins Visier genommen und rechne bis zum Finale in Paris nicht mehr mit einem klassischen Massensprint. Trotzdem will er die Tour bis zum Ende fahren – um in Paris seinen inoffiziellen Titel als bester Sprinter dieser Tour zu feiern.

Im Überblick

113. Tour de France, 12. Etappe: Circuit Nevers Magny-Cours - Châlon-sur-Saône (179,1 km):
1. Tim Merlier (Belgien/Soudal Quick-Step) 3:38:53, 2. Olav Kooij (Niederlande/Decathlon CMA CGM), 3. Jasper Philipsen (Belgien/Alpecin-Premier Tech), 4. Biniam Girmay (Eritrea/NSN Cycling Team), 5. Milan Fretin (Belgien/Cofidis), 6. Anthony Turgis (Frankreich/TotalEnergies), 7. Max Kanter (Deutschland/XDS Astana), 8. Clément Russo (Frankreich/Groupama-FDJ United), 9. Mads Pedersen (Dänemark/Lidl-Trek), 10. Huub Artz (Niederlande/Lotto Intermarché), ... 74. Alex Kirsch (Cofidis/Luxemburg) alle gleiche Zeit (SID)

Gesamtwertung nach 12 von 21 Etappen:
1. Tadej Pogacar (Slowakei/UAE Emirates-XRG) 43:04:01 Stunden, 2. Jonas Vingegaard (Dänemark/Visma - Lease a Bike 3:36 Minuten zurück, 3. Remco Evenepoel (Belgien/Red Bull-Bora-hansgrohe) 4:06, 4. Juan Ayuso (Spanien/Lidl-Trek) 4:22, 5. Paul Seixas (Frankreich/Decathlon CMA CGM) 4:35, 6.Florian Lipowitz (Deutschland/Red Bull-Bora-hansgrohe) 4:44, 7. Isaac Del Toro (Mexiko/UAE Emirates-XRG) 5:08, 8. Mattias Skjelmose (Dänemark/Lidl-Trek) 5:45, 9. Lenny Martinez (Frankreich/Bahrain-Victorious) 6:34, 10. Tom Pidcock (Großbritannien/Pinarello Q36.5 Pro Cycling) 11:49,... 106. Kirsch 2:19:02

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