Tour de France
10. Etappe: Pogacar baut Vorsprung weiter aus, Seixas beeindruckt erneut
Tadej Pogacar hat, angespornt von Pfiffen, die seinen erneuten Soloangriff begleiteten, seine Führung in der Gesamtwertung der Tour de France weiter ausgebaut. Am Dienstag gewann er die Etappe nach Le Lioran als Solist, während Paul Seixas mit einem vielversprechenden dritten Platz erstmals auf dem Podium stand.
Tadej Pogacar dominierte am Dienstag erneut die Etappe der Tour de France Foto: AFP/Loïc Venance
Auch wenn den Franzosen an ihrem Nationalfeiertag kein Heimsieg gelang, hielt der junge Fahrer aus Lyon als Dritter die französischen Farben hoch – an einem erneut glühend heißen Renntag in den Bergen des Cantal, wo Pogacar sich für seine Niederlage vor zwei Jahren revanchierte.
Für den Slowenen fiel diese Revanche eindrucksvoll aus. 2024 war er im Sprint in der Station im Zentralmassiv noch Jonas Vingegaard unterlegen gewesen. Diesmal wirkte der Däne deutlich schwächer und kam nur als Siebter ins Ziel, 44 Sekunden hinter Pogacar. Auf den letzten Metern war er in einer sechsköpfigen Gruppe mit den Anwärtern auf das Podium eingebrochen.
„Vor zwei Jahren hat Jonas mich im Sprint fair geschlagen“, sagte Pogacar. „Das hatte ich auf den letzten Metern im Kopf. Ich war in demselben Zustand wie damals – völlig am Ende. Aber bislang läuft diese Tour für mich perfekt“, sagte der Slowene nach seinem dritten Etappensieg bei der 113. Austragung der Rundfahrt – dem insgesamt 24. seiner Tour-Karriere.
Pogacar ausgepfiffen
Nachdem seine Mannschaft UAE Emirates den ganzen Tag das Tempo bestimmt und damit sämtliche Fluchtversuche im Keim erstickt hatte, griff der Slowene 15,5 Kilometer vor dem Ziel im Schlussabschnitt des extrem steilen Col de Pertus an. Seine Attacke ließ die Konkurrenz förmlich stehen. Tatsächlich wagte niemand, ihm zu folgen – aus Angst, sich zu früh zu verausgaben.
250 Meter vor dem Gipfel schloss Pogacar zu Richard Carapaz auf, der sich bereits 37 Kilometer vor dem Ziel am Pas de Peyrol mit seiner legendären Kampfeslust abgesetzt hatte. Anschließend fuhr der Slowene allein dem Ziel entgegen und blickte dabei immer wieder über die Schulter.
Mit seinem nunmehr 60. Tag im Gelben Trikot zieht er mit Miguel Indurain gleich und belegt in der ewigen Bestenliste Rang drei – hinter Eddy Merckx (111 Tage) und Bernard Hinault (79). Entschlossen, das Gelbe Trikot zu „ehren“, berichtete Pogacar, dass ihn einige Zuschauer ausgepfiffen hätten – vermutlich aus Langeweile über seine scheinbar unaufhaltsame Dominanz.
„Sie sollten wissen, dass sie damit meine Teamkollegen nur noch mehr motivieren. Sie gießen damit Öl ins Feuer“, betonte er, bevor er den Radsportfans ein großes Kompliment machte: „Sie sind die besten Fans im Sport.“
„Es gibt einige, die mich nicht mögen – das war schon immer so. Aber in anderen Sportarten ist das viel schlimmer. 99 Prozent der Menschen feuern alle Fahrer an. Wenn ich sehe, dass Kinder aus derselben Familie Trikots verschiedener Teams tragen, zeigt das, was für ein fairer und familienfreundlicher Sport das immer noch ist.“
In der Gesamtwertung liegt Pogacar nun 3:36 Minuten vor Vingegaard und 4:06 Minuten vor Remco Evenepoel. Der Belgier wurde Zweiter der Etappe, nachdem er zwischenzeitlich in der sechsköpfigen Verfolgergruppe mit seinem Teamkollegen Florian Lipowitz, Paul Seixas sowie den Lidl-Trek-Fahrern Juan Ayuso und Mattias Skjelmose in Schwierigkeiten geraten war.
Seixas: „Das ist großartig“
Evenepoel verdrängte damit den Mexikaner Isaac del Toro, einen Teamkollegen Pogacars, vom Podium der Gesamtwertung. Del Toro verlor am Col de Pertus den Anschluss und fand sich zusammen mit Lenny Martinez (Gesamtneunter) und Tom Pidcock wieder.
Der Brite erreichte das Ziel mit zerrissener Radhose, nachdem er – ebenso wie Matteo Jorgenson und Chris Harper – auf der gefährlichen Abfahrt vom Pas de Peyrol gestürzt war, wo der Asphalt aufgrund der Hitze bereits weich geworden war. Seixas verbesserte sich unterdessen auf den fünften Gesamtrang und liegt nun 4:35 Minuten zurück.
„Sich an einem der härtesten Tage dieser Tour den dritten Platz zu holen, ist großartig. Die Tourmalet-Etappe war eine reine Bergfahrer-Etappe. Heute war es einfach eine Etappe für richtig starke Fahrer“, kommentierte der Kapitän des Teams Decathlon CMA CGM, der lange von einem entfesselt fahrenden Nicolas Prodhomme unterstützt wurde. Mit gerade mal 19 Jahren darf das Ausnahmetalent weiter vom Podium der Tour de France träumen. Im Finale hatte er sogar den Eindruck vermittelt, noch Reserven zu besitzen.
Im Überblick
113. Tour de France, 10. Etappe: Aurillac - Le Lioran (166,6 km):
1. Tadej Pogacar (Slowenien/UAE Emirates-XRG) 3:58:08 Stunden, 2. Remco Evenepoel (Belgien/Red Bull-Bora-hansgrohe) 0:32 Minuten zurück, 3. Paul Seixas (Frankreich/Decathlon-CMA CGM) 0:34, 4. Florian Lipowitz (Deutschland/Red Bull-Bora-hansgrohe) gleiche Zeit, 5. Juan Ayuso (Spanien/Lidl-Trek) 0:38, 6. Mattias Skjelmose (Dänemark/Lidl-Trek) gleiche Zeit, 7. Jonas Vingegaard (Dänemark/Visma - Lease a Bike) 0:44, 8. Isaac del Toro (Mexiko/UAE Emirates-XRG) 1:31, 9. Tom Pidcock (Großbritannien/Pinarello Q36.5 Pro Cycling) 1:59, 10. Lenny Martinez (Frankreich/Bahrain-Victorious) 2:03, ... 103. Alex Kirsch (Luxemburg/Cofidis) 36:11
Gesamtwertung nach 10 von 21 Etappen: 1. Pogacar 36:15:02 Stunden, 2. Vingegaard 3:36 Minuten zurück, 3. Evenepoel 4:06, 4. Ayuso 4:22, 5. Seixas 4:35, 6. Lipowitz 4:44, 7. Del Toro 5:08, 8. Skjelmose 5:45, 9. Martinez 6:34, 10. Pidcock 11:49, ... 108. Kirsch 2:18:26