Weltflüchtlingstag
Zivilgesellschaft übt heftige Kritik an Migrations- und Asylpakt
Die Reform des Gemeinsamen Europäischen Asylsystems (GEAS) durch den Migrations- und Asylpakt ist am 12. Juni in Kraft getreten. Drei Tage zuvor hatte die Chamber die entsprechenden Gesetze verabschiedet, um den Pakt umzusetzen. Anlässlich des Weltflüchtlingstags am 20. Juni haben Menschenrechtler ihre Besorgnis zum Ausdruck gebracht, vor allem im Hinblick auf die Rechte der Kinder.
Vertreter der Zivilgesellschaft meldeten sich diese Woche zu Wort und äußerten auf einer Pressekonferenz im Menschenrechtshaus ihre Bedenken bezüglich der Umsetzung des Migrations- und Asylpakts. Von links: Ariane Koutsaftis, Noémie Sadler, Charel Schmit, Alexandra Gardeur Foto: Editpress/Didier Sylvestre
An die ständigen Kontrollen kann sich Djamila nicht gewöhnen, auch wenn vieles schon zur Gewohnheit geworden ist. Die 16-jährige Nordafrikanerin, die nicht mit ihrem richtigen Namen genannt werden möchte, ist es leid, von den Sicherheitsleuten der Flüchtlingsstruktur, die sich im Osten des Landes befindet, immer wieder kontrolliert zu werden. „Es ist, als würde ich verdächtigt, eine kriminelle Tat begangen zu haben“, sagt sie. „Selbst wenn ich zur Schule gehe und wieder zurückkehre.“ Djamilas Chancen auf einen internationalen Schutzstatus stehen schlecht, die Aussichten ihrer Familie haben sich weiter verdüstert. „Meine Mutter weint jeden Tag“, so Djamila, „meine Schwester und ich weinen manchmal mit ihr.“
Ähnliche Erfahrungen wie Djamila hat Mariya* im Bâtiment T gemacht, einer Unterkunft für Asylsuchende des Office National d‘Accueil (ONA) auf dem Kirchberg, in der mehr als tausend Menschen leben. Die junge Ukrainerin berichtet von Konflikten unter den Bewohnern. Am schlimmsten sei jedoch die mangelnde Hygiene gewesen: defekte Duschen, verschmutzte Waschbecken, Pilzbefall an den Wänden. „Als mein achtjähriger Sohn krank war, traute ich mich nicht, in die Apotheke zu gehen, weil ich ihn allein lassen musste“, sagt Marija, „Ich hatte jedes Mal Angst.“