Analyse
„Sonndesfro“: Selbstverständnis der CSV bröckelt, während die Dreierkoalition ihre Mehrheit festigt
Die „Sonndesfro“ von TNS Ilres im Auftrag von RTL und Luxemburger Wort bestätigt mit einzelnen Abweichungen die Resultate des Politmonitors, der die Beliebtheit und Kompetenz der einzelnen Politiker misst. Die Piraten befinden sich momentan in der Gunst der Wähler, die CSV gilt als großer Verlierer des Stimmungsbarometers. Und: Sind Dreierkoalitionen bald die neue Realität? Das Tageblatt hat den hypothetischen Wahlausgang der einzelnen Parteien analysiert.
Bettel und Lenert halten die CSV auf Abstand Symbolbild: Editpress/Hervé Montaigu
Drei ist die neue Zwei. Nein, es handelt sich nicht um eine mathematische Verklärung zur plakativen Erläuterung neuer Hygienemaßnahmen, sondern um die wohl auffälligste Erkenntnis der „Sonndesfro“, die die Demoskopen von TNS Ilres im Auftrag des Luxemburger Wort und RTL durchgeführt haben. Denn wären am Sonntag Wahlen gewesen, würde keine Zwei-Parteien-Koalition im Luxemburger Parlament eine absolute Mehrheit erreichen. Die Dreierkoalition, die 2013 noch aus einigen Ecken als undemokratisch und illegitim angeprangert wurde, scheint in Luxemburg neue politische Realität zu sein. Das politische Dogma der ewig regierenden CSV, die sich ihren Juniorpartner nach Gutdünken aussuchen darf, scheint immer weiter zu verwässern. Das kann als Erfolg für „Gambia“ gewertet werden – stärkt aber auch die Rolle der kleineren Parteien bei der Auswahl der möglichen Koalitionspartner und dem Zusammenstellen eines Regierungsprogramms, da sie das entscheidende „Zünglein an der Waage“ sein werden.