Nach Panne im Dezember

Präsident des Luxtrust-Verwaltungsrats Serge Allegrezza tritt zurück

Serge Allegrezza tritt nach der verheerenden Dezember-Panne als Präsident des Luxtrust-Verwaltungsrats zurück. Die Ursache war kein Cyberangriff, sondern ein Materialschaden. Er kündigt neue Maßnahmen an, um Luxemburgs digitale Infrastruktur künftig widerstandsfähiger zu machen.

Diverse Dienste im Großherzogtum sind an Luxtrust gekoppelt und waren während der Störung nicht verfügbar

Diverse Dienste im Großherzogtum sind an Luxtrust gekoppelt und waren während der Störung nicht verfügbar Foto:Editpress/Didier Sylvestre, Alain Rischard

Eine technische Störung legte im Dezember bei Luxtrust zahlreiche Dienste in ganz Luxemburg für fast 24 Stunden lahm. Etwa einen Monat nach der Panne und einen Tag nach der Verwaltungsratversammlung kündigt Serge Alegrezza, Präsident des Luxtrust-Verwaltungsrats, im RTL-Interview vom Donnerstag seinen Rücktritt an: „Es hätte nicht passieren dürfen, aber ‚shit happens‘, man muss damit leben und auch Konsequenzen ziehen“. Es sei der Moment gekommen um Aufzuhören und der Firma mit einem neuen Gesicht eine neue strategische Positionierung zu ermöglichen.

Ursache des Luxtrust-Ausfalls war keine Cyberattacke sondern ein Materialschaden. Nachdem eine „carte fibre“ kaputtgegangen war, wechselte die Software aufgrund eines „bugs“ nicht wie vorgesehenen automatisch auf eine der weiteren sieben „cartes fibre“. Der amerikanische Provider – Allegrezza will den Namen nicht nennen – dieser Datenbank habe den Fehler bestätigt. Es habe lange gedauert, bis dass die Zuständigen den Ursprung der Panne entdeckt hatten. Alegrezza räumt auch ein, dass die Kommunikation während der Panne alles andere als optimal war.

Inwischen sei der Fehler behoben und. „Es war äußerst peinlich, dass das Herz dieser Resilienz nicht funktioniert hat“, meint Allegrezza. Da die Datenbank durch den Fehler korrumpiert wurde, habe sie auch wieder komplett neu aufgerichtet werden müssen, was aufgrund der enormen Datenmenge sehr viel Zeit in Anspruch genommen hat.

Um Luxtrust künftig noch resilienter zu machen, sei ein drittes Datenzenter geplant, das sozuzagen als Assistenz-System einspringen kann, sollte das Hauptsystem ausfallen. Zudem gebe es Überlegungen, um sogar ein viertes Datenzenter zu errichten – etwa in der Großregioun und einem anderen „opérateur“.

Er bemängelt allerdings, dass Luxtrust derzeit nicht als kritische Infrastruktur klassifiziert ist und dadurch im Falle einer Panne, wie im Dezember nicht auf diverse Hilfen zurückgreifen kann.

Die Dezember-Panner befeuerte erneut die Debatte über die Monopolstellung des Anbieters. Allegrezza ist dies bezüglich zurückhaltender. Er meint die Einführung einer Alternative würde weitere 20 bis 30 Millionen Euro kosten. Zudem sei Luxemburgs Luxtrust-System einzigartig in ganz Europa und habe bereits große Dienstleister angelockt. Dafür plädiere er dafür das bestehende System noch resilienter zu machen – Allegrezza spricht von einer Superresilienz.

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