Bezirkskongress in Mertert

Paulette Lenert und Charel Heim: Neues Führungsduo leitet die LSAP im Osten

Der Kongress der Sozialisten in Mertert hat am Dienstagabend ein neues Führungsduo für den Bezirk Osten gewählt. Im Januar hatte Ben Streff überraschend seinen Rückzug bekannt gegeben – und Partei und Fraktion kritisiert. Statt Konfliktstimmung gibt es an der Mosel jedoch einen versöhnlichen Abschied.

Paulette Lenert, Ben Streff und Dan Biancalana beim LSAP Osten Kongress an der Mosel, politische Veranstaltung ohne Streit

Kein Ärger an der Mosel: Paulette Lenert (Mitte), Ben Streff (r.) und Parteichef Dan Biancalana beim Kongress der LSAP Osten Foto: Editpress/Hervé Montaigu

Der Osten ist kein Stammland für die LSAP. Zu ländlich geprägt ist die Gegend zwischen Stadt und Mosel, zwischen Sauer und Schengen. Umso eindrucksvoller ist das Ergebnis, das Paulette Lenert bei der vergangenen Chamberwahl hier eingefahren hat. Als nationale Spitzenkandidatin der LSAP wollte sie nicht im Zentrum antreten, sondern in ihrer Heimat an der Mosel – und wurde mit insgesamt 14.345 Stimmen zur meistgewählten Kandidatin im gesamten Osten, noch vor den späteren Ministern Léon Gloden (CSV) und Lex Delles (DP). Hinter Lenert auf der LSAP-Liste landete damals ihr Bezirkspräsident Ben Streff, der als Parteimanager auch den Wahlkampf der LSAP geleitet hatte.

Dass der Bezirkskongress Osten der LSAP an diesem Dienstagabend im Centre Culturel in Mertert von größerem Interesse ist, liegt vor allem an der Person Streff. Der hatte im Januar bekannt gegeben, nicht länger als Parteimanager und als Bezirkspräsident zur Verfügung zu stehen. Als Grund für seinen Rückzug gab Streff das andauernde Desinteresse der LSAP-Fraktion an der Parteiarbeit an. „Weil ich aktuell wenig Hoffnung auf Besserung sehe, ziehe ich meine persönlichen Konsequenzen“, erklärte er damals gegenüber dem Tageblatt. „Ich werde mich deswegen auch komplett zurückziehen und den Bezirk Osten aufgeben.“

Parteiprominenz an der Mosel

Von Konfliktstimmung ist an diesem Abend in Mertert jedoch nichts zu spüren, vor allem nicht zwischen dem Vorsitzenden und seiner Vizepräsidentin. Lenert und Streff unterhalten sich und scherzen miteinander. Später gibt es einen Geschenkkorb und einen stürmischen Kuss auf die Wange für den zurückgetretenen Präsidenten. In ihrer kurzen Ansprache lobt Lenert Streff für sein Temperament und seine Meinungsstärke. Streff selbst sagt kurze Zeit später: „In der LSAP kann man sich streiten und seine Meinung sagen – und dann trotzdem zusammenarbeiten.“ Der scheidende Präsident hält eine versöhnliche Abschiedsrede. Dass sein Ende als Parteimanager und Bezirkspräsident so schnell für ihn kam, habe ihn selbst überrascht. „Ich hatte nie einen Plan für mich“, sagt Streff, „aber ich hatte einen Plan für die Partei, für den Bezirk Osten.“ Unter seinem Vorsitz sei die Sektion Müllerthal wieder neu gegründet worden, genauso wie der erste regionale Juso-Bezirk überhaupt.

Zu Streffs Zuhörern zählen an diesem Abend nicht nur Lenert und die Mitglieder der Sektionen aus dem Osten, sondern auch die nationale Parteiprominenz. Mit Francine Closener und Dan Biancalana sind gleich beide Parteipräsidenten an die Mosel gekommen, ebenso der Chamber-Abgeordnete Georges Engel, der seinen Namen als Nachfolger an der Parteispitze in den Raum geworfen hat.

Charel Heim und Georges Engel, Kandidaten für Bezirks- und LSAP-Präsidentschaft, bei offizieller Veranstaltung.

Der neue Bezirkspräsident Charel Heim (l.) und Georges Engel, Anwärter auf die LSAP-Präsidentschaft Foto: Editpress/Hervé Montaigu

Um fünf nach neun steht fest, wer auf Ben Streff folgt. Das Bezirkskomitee hat sich nach dem Kongress zurückgezogen und verkündet nun das neue Führungsduo. Nach der Statutenänderungen gibt es statt eines Präsidenten und eines „Vize“ nun zwei Ko-Präsidenten. Einen Posten übernimmt Paulette Lenert. Der zweite Bezirkspräsident wird Charel Heim von der Sektion Echternach/Müllerthal. Heim ist Gemeinderat in Echternach und landete bei der vergangenen Chamberwahl mit 3.157 Stimmen auf Platz sieben der LSAP-Liste im Osten. Ko-Vizepräsidenten werden Liv Bintener und Kenichi Breden.

Hauptthema des Abends ist jedoch nicht die Wahl des neuen Präsidiums, sondern das neue Grundsatzprogramm der Partei. Maurice Schwarz und Max Leners aus der Parteileitung präsentieren den Parteimitgliedern aus dem Osten ihren Entwurf. Zwei Mitglieder stellen in Mertert Änderungsvorschläge vor, gleich zwölf kommen von Vizeepräsidentin Lenert selbst. „Es macht mir viel Spaß, an so einem Programm zu arbeiten“, erklärt Lenert ihr ausführliches Dokument. Beide Anträge werden einstimmig vom Kongress angenommen. Max Leners freut sich über die 13 Vorschläge. Bei den vergangenen Bezirkskongressen im Norden und Süden habe es keine Vorschläge gegeben, scherzt Leners.

Parteipräsidentin Closener erklärt gegenüber dem Tageblatt, dass schon einige Sektionen Änderungsvorschläge eingereicht haben. Insgesamt liegen mittlerweile etwa 30 vor. Leners und Schwarz werden nun mit der Parteileitung einen neuen Vorschlag für das Grundsatzprogramm erarbeiten. Beim LSAP-Nationalkongress am 14. März wird dann über das fertige Programm abgestimmt.

Gruppenfoto des neuen Komitees des Bezirks Osten mit dem ehemaligen Präsidenten im Vordergrund

Gruppenbild mit altem Präsidenten: Das neue Komitee des Bezirks Osten Foto: Editpress/Hervé Montaigu

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