Das stille Sterben
Luxemburgs Biodiversität ist in Gefahr: Ursachen und Folgen des Artensterbens
Der Verlust der Artenvielfalt verläuft nicht offen sichtbar, birgt aber eine große Gefahr. Darüber sind sich die meisten Expertinnen und Experten einig. Dies gilt für Luxemburg ebenso wie für die anderen europäischen Länder. Die Hauptfaktoren sind in der Landwirtschaft, der Umweltzerstörung und im Klimawandel zu finden.
Die Feldlerche, eine der bedrohten Arten: Viele Menschen nehmen den Rückgang der Artenvielfalt nicht wahr Foto: Frebeck/Wikicommons
Der Rückgang der Artenvielfalt fällt vor allem jenen Menschen besonders auf, die sich schon lange mit der Natur beschäftigen. „Im Vergleich zu früher sieht man heute etwa immer weniger verschiedene Arten von Schmetterlingen“, sagt Claudine Felten. Die Direktorin von „natur & ëmwelt“ hat früh die Natur für sich entdeckt. „Geprägt vom Elternhaus, war ich bereits als Kind regelmäßig draußen.“ Sie studierte in Freiburg Forstwissenschaft mit dem Schwerpunkt Ökologie. Doch man braucht nicht unbedingt diplomierte Forstwirtin zu sein wie Felten, um naturbewusst zu denken. „Die Frage ist, wie viele Menschen mit offenen Augen durch die Natur gehen“, sagt sie. Viele nehmen den Rückgang der Artenvielfalt nicht wahr. „Er verläuft schleichend“, so Felten.
Von einem „stillen Sterben“ sprechen die Biologin Katrin Böhning-Gaese und die Journalistin Friederike Bauer in ihrem 2023 erschienenen Buch „Vom Verschwinden der Arten“. Claudine Felten erklärt, wie schwierig es ist, dies zu vermitteln: „Es reicht nicht, wenn einmal im Jahr Schulklassen zu uns ins Haus vun der Natur auf Kockelscheuer kommen.“ Bei einigen bleibt mehr als ein kurzer Eindruck: „Wenn man sich einem Vogel nähert und merkt, wie klein und zerbrechlich er ist“, sagt sie, „kann dies bereits ein Erlebnis sein, das einen dazu bringt, sich für die Natur und die Artenvielfalt zu interessieren.“