Neue Prognosen

Luxemburg könnte die Marke von einer Million Einwohnern nie erreichen

Die Bevölkerung Luxemburgs wächst – und das bereits seit Jahrzehnten. Ende 2025 zählte das Großherzogtum rund 691.000 Einwohner. Doch das Erreichen der symbolischen Marke von einer Million, die in der öffentlichen Debatte längst als ausgemachte Sache gilt, ist keineswegs sicher. Das zeigen neue Prognosen von Statec und Eurostat.

Wachstum der Bevölkerung in Luxemburg zeigt dynamischen demografischen Anstieg in Europa

In kaum einem anderen Land Europas wächst die Bevölkerung schneller als in Luxemburg Foto: Editpress/Fabrizio Pizzolante

In kaum einem anderen Land Europas ist die Bevölkerung zuletzt so stark gewachsen wie in Luxemburg. Aktuell liegt die Zahl der Einwohner bei rund 691.000. In den letzten 50 Jahren hat sich die Zahl damit in etwa verdoppelt. Ein Plus von 100 Prozent.

In der Europäischen Union ist in diesem Zeitraum kein anderes Land schneller gewachsen. In der gesamten Staatenunion hat die Zuwachsrate (seit 1971) nur leicht weniger als 17 Prozent betragen. Fast so schnell gestiegen wie im Großherzogtum ist die Zahl der Einwohner nur in Malta (plus 90 Prozent) und in Irland (plus 83 Prozent).

Verglichen mit vor zehn Jahren (2015), sehen die Zahlen ähnlich aus: Während die Luxemburger Bevölkerung um rund 21 Prozent gewachsen ist, so hat das Plus europaweit nur 1,7 Prozent betragen. Das Großherzogtum ist jedoch nicht mehr Spitzenreiter: Mit einem Plus von 31 Prozent ist Malta noch spürbar schneller gewachsen.

Auch fällt beim Betrachten der Zahlen auf, dass die Bevölkerung in neun Mitgliedstaaten der EU in den letzten zehn Jahren geschrumpft ist. Betroffen von Rückgängen waren meist Länder im Osten des Staatenbundes, die wirtschaftlich schwächer aufgestellt sind. Mit mehr als fünf Prozent waren die Rückgänge besonders stark in Bulgarien, Kroatien und Lettland. Betroffen vom Schrumpfen waren jedoch auch Polen, Ungarn und Italien.

Höchststand in der EU: 2029

In den nächsten Jahren und Jahrzehnten soll sich das Bevölkerungswachstum in Europa, laut den neuen Prognosen von Eurostat, europaweit noch weiter verlangsamen. Die Statistiker gehen davon aus, dass die Bevölkerung der EU in den nächsten drei Jahren voraussichtlich weiter zunehmen und 2029 mit 453,3 Millionen einen Höchststand erreichen wird. Die Prognosen basieren auf Annahmen zu Geburten-, Sterbe- und Migrationsmuster in den einzelnen EU-Ländern.

Danach wird ein allgemeiner Schrumpfungsprozess beginnen. Bis im Jahr 2100 soll die Bevölkerung dann um 11,7 Prozent (oder 53 Millionen Menschen) auf nur noch 398,8 Millionen Einwohner zurückgehen. Nur noch in neun Ländern wird bis zur Jahrhundertwende mit einem Zuwachs gerechnet.

Das Land, in dem Europas Statistiker bis 2100 mit dem stärksten Zuwachs rechnen, ist Luxemburg. Sie schätzen die Bevölkerung in dem Jahr auf 930.410 Einwohner. Ein weiteres Plus von mehr als 36 Prozent verglichen mit heute.

Höchststand in Luxemburg: 2077

Dabei gehen die Statistiker jedoch davon aus, dass das Wachstum auch in Luxemburg abflauen wird. Eine positive Zuwachsrate erwarten sie nur noch bis im Jahr 2077. Da würde dann im Großherzogtum ein Höchststand bei 965.869 Einwohnern erreicht. Danach soll dann auch hierzulande, wie in jedem anderen EU-Land, die Bevölkerung schrumpfen. Die Marke von einer Million Einwohnern würde damit knapp verpasst – und demnach nie erreicht werden.

Zeitgleich mit Eurostat hat auch das Luxemburger statistische Institut Statec am Donnerstag neue Prognosen für die Entwicklung der Bevölkerung hierzulande bis 2100 veröffentlicht. Statec setzt dabei auf vier unterschiedliche Szenarien, zwei mit starkem und zwei mit schwachem Wachstum.

Luxemburg könnte die Marke von einer Million Einwohnern nie erreichen

„Luxemburg wächst weiter“, schreibt Statec hier. „Nach den neuesten Bevölkerungsprognosen könnte die Einwohnerzahl des Landes bis um das Jahr 2070 an die Marke von einer Million herankommen.“ Laut ihrem Szenario mit starkem Wachstum könnte die Zahl von einer Million dann leicht überschritten (1,07 Millionen) werden. Laut dem Szenario mit schwachem Wachstum würde die Bevölkerung bei 944.000 ihren Höchststand erreichen.

Eine Frage der Wirtschaft

Im Gegensatz zu Eurostat, das die erwarteten Migrationsströme durch eine Fortsetzung vergangener Trends prognostiziert, verbindet Statec sie direkt mit den Fundamentaldaten der luxemburgischen Wirtschaft, heben die Luxemburger Statistiker hervor. In anderen Worten: Je attraktiver das Wachstum und die Löhne im Vergleich zu den Nachbarländern sind, desto höher ist die Zuwanderung – die ihrerseits der „wichtigste Motor des Bevölkerungswachstums“ ist.

In diesem Sinne liegen die beiden pessimistischen Szenarien von Statec sehr nahe bei den Erwartungen von Eurostat. Bei den beiden Statec-Szenarien mit mehr Wachstum geht die Dynamik ab Mitte der 2050er Jahre jedoch auseinander. Die Bevölkerung würde, laut diesen beiden Szenarien, dann nicht nur die Marke von einer Million Einwohnern überschreiten, sondern auch in den folgenden Jahren noch weiter wachsen.

Schlussendlich wird es demnach der Erfolg der Luxemburger Wirtschaft, verglichen mit dem seiner Nachbarländer, sein, der darüber entscheidet, wie sich die Zahl der Einwohner des Landes entwickeln wird – oder anders ausgedrückt: wie attraktiv das Land für Zuwanderer sein wird. Wie entwickelt sich die Zahl der Arbeitsplätze? Wie hoch bleiben die Gehälter? Gibt es bezahlbaren Wohnraum? Wie steht es um die Lebensqualität?

Die Geburtenrate selber soll hierzulande laut allen Prognosen in den kommenden Jahrzehnten deutlich unter dem Bestandserhaltungsniveau bleiben. Laut einem Alternativszenario von Eurostat, ohne Migration, würde die Bevölkerung Luxemburgs bis 2100 auf 428.000 Einwohner schrumpfen – spürbar weniger als heute. Europaweit wäre die Bevölkerung, ohne Zuwanderung, bereits seit 2012 am Schrumpfen.

2 Kommentare
Merissa 17.04.202621:34 Uhr

Wo sind denn unsere lieben lokalen Xenophoben?

Ist der Artikel noch zu neu?

Nomi 17.04.202621:09 Uhr

Mir sollten di Millio'un net unstriewen, well mir hun nemmen begrenzten Landesflaech, an mir waerten et bis dann och nach net faerdeg brengen, den minimum neidegen Wunnraum ze schaafen !

Idiotesch, mir wellen onbegrenzten Wuesthum, an mer brengen et net faerdeg di neideg Infrastrukturen ze bau'en !

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