Asylpolitik
Queere Menschen auf der Flucht: Sexuelle Orientierung und Geschlechtsidentität als Ursache
In mindestens 64 Ländern der Welt sind gleichgeschlechtliche Beziehungen strafbar. In manchen Ländern droht queeren Menschen gar die Todesstrafe.* Obwohl die Verfolgung wegen sexueller Orientierung als Asylgrund im Sinne der Genfer Flüchtlingskonvention anerkannt wird, leben nach wie vor viele LGBTIQ+-Personen selbst in den Zufluchtsländern in Unsicherheit und wagen es nicht, sich zu outen.
Migranten bei der Pride 2023 in Paris hinter dem Banner von Ardhis, einer Organisation, die sich für die Rechte homosexueller und trans Asylbewerber einsetzt Foto: InfoMigrants
Einmal mehr hat Roger eine Irrfahrt hinter sich. Seine erste Odyssee erlebte er vor mehr als sechs Jahren, als er aus seiner westafrikanischen Heimat nach Luxemburg kam. Über Italien hatte er den Weg ins Großherzogtum gefunden. In seinem Herkunftsland, das er – wie auch seinen Namen – nicht in der Zeitung lesen will, sind sexuelle Handlungen zwischen gleichgeschlechtlichen Personen verboten und stehen unter Strafe. Es drohen bis zu drei Jahre Gefängnis. Es gibt keinen Schutz gegen Diskriminierung. Daher müssen Homosexuelle wie Roger ihre sexuelle Orientierung geheim halten.
„Lange Zeit habe ich es auch hier in Luxemburg nicht erwähnt, weil ich Angst hatte, von Landsleuten oder auch anderen Afrikanern diskriminiert zu werden“, sagt der 36-Jährige. „Mein Heimatland ist größtenteils muslimisch. Homosexualität wird nicht geduldet. Selbst meine eigene Familie würde mich dafür ausgrenzen.“ Roger stellte in Luxemburg einen Asylantrag. Während die Prozedur lief, absolvierte er eine Ausbildung. Sein Antrag wurde schließlich abgelehnt. Von der Einwanderungsbehörde wurde er zur Rückkehr aufgefordert. „Immerhin durfte ich noch mein Abschlussdiplom in Empfang nehmen“, erzählt Roger. Dann verließ er das Land und tauchte in Deutschland unter.