L’histoire du temps présent

Kolonialgeschichte Luxemburgs: Über die Einbindung und Interessen des Großherzogtums in Afrika

Über Jahrzehnte hinweg war Luxemburg in koloniale Projekte in Afrika eingebunden – durch seine Bürgerinnen und Bürger, durch wirtschaftliche und politische Interessen sowie durch institutionelle und transnationale Verflechtungen. Nicht zuletzt wurden Pläne für ein eigenes koloniales Territorium verfolgt.

Passagiere auf dem Weg in den Belgisch-Kongo vor dem Schiff Anversville im Hafen, historische Kolonialreise Afrika

Auf dem Weg in den Belgisch-Kongo. Im Hintergrund ist das Schiff Anversville zu sehen. Um 1930. Quelle: privat

Die historischen Verbindungen, besonders zum Belgisch‑Kongo, zeigten sich nicht nur vor Ort, wo etwa das Grab des 1883 verstorbenen Nicolas Grang im damaligen Léopoldville (heute Kinshasa, DR Kongo) zu einem luxemburgischen Erinnerungsort wurde, sondern auch im Großherzogtum selbst, etwa in Kolonialausstellungen mitten in der Hauptstadt. Noch im Oktober 1960 – nur wenige Monate nach der Unabhängigkeit des Kongo – beschloss die Stadt Luxemburg, eine geplante Straße auf dem Limpertsberg nach Nicolas Cito zu benennen, dem „Konstrukteur der ersten Eisenbahnlinie im Kongo“. Die Straße wurde jedoch nie gebaut.

Der vorliegende Artikel basiert auf jüngsten Forschungsarbeiten zur kolonialen Vergangenheit Luxemburgs in Afrika, die zwischen 2022 und 2026 im Rahmen meiner Doktorarbeit an der Universität Luxemburg durchgeführt wurden (Kevin Goergen, Luxembourg’s Colonial History: Negotiating Engagement in Africa, Phd Thesis, University of Luxembourg, 2026). Erstmals wurde dafür ein umfangreiches Quellenmaterial nicht nur aus nationalen, sondern auch aus internationalen Archiven ausgewertet. Dokumente zeigen, wie das Großherzogtum institutionell, strukturell und ideologisch in den europäischen Kolonialismus eingebunden war und im Laufe der Zeit eigene Interessen, Ambitionen und eine Verwaltung entwickelte. Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, was unter einem „luxemburgischen Kolonialismus“ zu verstehen ist.

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