Justizserie
„Ich stand dabei, während die Leiche auf dem Metalltisch lag“ – Die scheinbar unscheinbare Arbeit der Greffiers
Kein Gericht kommt ohne sie aus. Im französischen Sprachraum werden sie Greffiers genannt, im deutschen Gerichtsschreiber oder Rechtspfleger. Viviane Probst, Greffier en chef beim Obersten Gerichtshof, erklärt uns, was es mit dem Beruf auf sich hat.
Viviane Probst übt das Amt des Greffier en chef am Obersten Gerichtshof aus
Ein Gerichtssaal, ein Tag wie jeder andere. Die Anwesenden erheben sich, als die Vorsitzende Richterin den Saal betritt. Kaum merklich hat eine weitere Person rechts außen an der Seite Platz genommen. Ein Greffier. Er führt akribisch Protokoll. Er wird kaum beachtet, ist aber bei jeder Verhandlung dabei – und von unschätzbarer Bedeutung.
Erinnert sei an jenen Gerichtsschreiber, der in dem dokumentarischen Spielfilm „Der Totmacher“ von Romuald Karmakar aus dem Jahr 1995 das Protokoll führt. Der von dem Schauspieler Pierre Franckh verkörperte Stenograf wirkt zunächst angewidert davon, was dem Angeklagten – Götz George in der Rolle des Massenmörders Fritz Haarmann – vorgeworfen wird, nämlich 24 Jungen und Männer ermordet zu haben, und was Haarmann dem psychiatrischen Gutachter Professor Ernst Schulze sagt. Im Laufe des Films scheint der Protokollant zunehmend von der charismatischen Ausstrahlung des Verbrechers fasziniert zu sein.