Migration
Gnalby wurde in Luxemburg zum Bäcker ausgebildet – jetzt sitzt er in Abschiebehaft
Der aus Guinea stammende Gnalby wäre an diesem Wochenende gerne zum „Festival des migrations, des cultures et de la citoyenneté“ in der Luxexpo gekommen. Stattdessen landete der in Luxemburg ausgebildete Bäcker und Konditor im „Centre de rétention“.
Der Asylbewerber Gnalby Barry absolvierte eine Bäckerlehre Foto: Editpress/Alain Rischard
Die Nachricht ereilte mich im Auto per Anruf. Gnalby sitze in Abschiebehaft, hieß es. Gut ein Jahr ist es her, dass ich den damals 24-Jährigen kennenlernte. Er war mit dem E-Roller in die Tageblatt-Redaktion in Belval gekommen, auf dem Nachhauseweg von seinem Arbeitsplatz in Käerjeng, wo er eine Bäcker- und Konditorausbildung absolviert hat, zu seinem Zimmer in einer Wohngemeinschaft in Esch. Zu diesem Zeitpunkt hatte er bereits dreimal eine Absage auf seinen Asylantrag erhalten. Die Aussichten waren nicht eben gut. Und wie Innenminister Léon Gloden immer wieder auf Pressekonferenzen zu verstehen gab, bedeute die Tatsache, dass ein Asylbewerber hierzulande arbeitet oder eine Ausbildung macht, nicht automatisch ein unbegrenztes Bleiberecht.
Vor sechs Jahren kam Gnalby aus Guinea nach Luxemburg. Das westafrikanische Land ist alles andere als ein sicherer Drittstaat oder sicheres Herkunftsland. In den vergangenen Jahren gab es dort immer wieder politische Unruhen, zuletzt kam es 2021 zu einem Militärputsch. Guinea ist geprägt von politischer Instabilität, Menschenrechtsverletzungen, Armut und hoher Kriminalität. Die Bürgerkriege in den Nachbarländern Liberia und Sierra Leone um die Jahrtausendwende drohten immer wieder auf das 15-Millionen-Einwohner-Land überzugreifen und trieben Hunderttausende Flüchtlinge ins Land.