Wiltz

Falsche Mastertitel: Luxemburger Anbieter verkaufte jahrelang wertlose Abschlüsse

Die Lehre stimmte, der Titel nicht: Eine Luxemburger Firma bot internationale Weiterbildungen für Zahnärzte an und verkaufte diese unberechtigt als akademische Abschlüsse. Der Schaden für die Betroffenen: Zehntausende Euro – und Jahre verschwendeter Lebenszeit.

Im Wiltzer Schoss war die Schule angesiedelt

Im Wiltzer Schoss war die Schule angesiedelt Foto: Editpress/Hervé Montaigu

Eine Einrichtung mit langjährigem Sitz im Schloss Wiltz hat mehr als 500 Zahnärztinnen und Zahnärzten Masterabschlüsse verkauft, ohne die Berechtigung dazu zu haben. Das berichtet das deutsche Nachrichtenmagazin Spiegel nach einer mehrmonatigen Recherche.

Die DTMD, ausgeschrieben „Digital Technologies in Medicine and Dentistry“, bot seit 2017 berufsbegleitende Studiengänge in Kieferorthopädie sowie Parodontologie und Implantologie an. Nach außen trat sie als Universität auf. Die Studierenden zahlten zwischen 26.000 und 31.000 Euro, besuchten Kurse und erhielten am Ende eine Urkunde über einen „Master of Science“. Die Qualität der Lehre wurde von den Studierenden nicht beanstandet.

Diese Urkunde ist trotzdem wertlos. Das Ministerium für Forschung und Hochschulwesen unter Stéphanie Obertin (DP) teilte auf Anfrage des Spiegel mit, es handle sich um Weiterbildungen, die in Luxemburg weder akademisch anerkannt würden noch zu einem akademischen Grad führten. Auf die Frage, ob die DTMD den Titel „Master of Science“ vergeben durfte, antwortete das Ministerium laut Spiegel mit einem klaren Nein. Damit ist der Titel auch im Ausland wertlos, etwa in Deutschland, wo die meisten Betroffenen arbeiten.

Ministerium wusste seit Jahren Bescheid

Die DTMD wurde laut Ministerium bereits 2023 darüber informiert, dass sie ohne Hochschulakkreditierung keine Mastergrade ausstellen darf. Den zahlenden Studierenden sagte sie davon nichts. Sie warb weiter mit einer Akkreditierung der deutschen Agentur AHPGS und einem Zertifikat einer privaten Zertifizierungsstelle. Beide Papiere bescheinigten allerdings nur die Qualität der Lehrinhalte, nicht das Recht zur Titelvergabe.

Erste Zweifel im Ministerium gab es laut dessen eigener Darstellung schon 2020, konkretere Hinweise im September 2023. Danach habe es einen „regelmäßigen Austausch“ mit der DTMD und ihren Anwälten gegeben. Für ein härteres Vorgehen habe die Rechtsgrundlage gefehlt, so das Ministerium: Erst seit dem 21. Juli 2023 schützt ein Gesetz in Luxemburg Begriffe wie „Universität“ oder „Master“. Anzeige beim Parquet erstattete das Ministerium demnach erst im April 2026, nachdem sich eine Studentin gemeldet hatte.

Zwischen Gesetzesänderung und Anzeige liegen fast drei Jahre. In dieser Zeit schrieben sich weiter Studierende ein und zahlten.

Die DTMD kündigte ihren Studierenden im Juli dieses Jahres eine Insolvenz an. Die Luxemburger Justizverwaltung teilte dem Spiegel indes mit, ein Verfahren sei weder eröffnet noch beantragt worden. Das Masterprogramm ruht. Auf ihrer Website kündigt die DTMD einen Wechsel zu einem neuen Partner an, den sie nicht nennt. Fragen des Spiegel ließ sie inhaltlich unbeantwortet. (hat)

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