Landwirtschaft
EU plant Lockerung bei Gentechnik: Das sind die Risiken
Die Europäische Union plant eine weitreichende Deregulierung von Pflanzen aus der Neuen Gentechnik (NGT). Der Münchner Experte Christoph Then hielt aus diesem Anlass auf Einladung der Plattform „Meng Landwirtschaft“ in Luxemburg einen Vortrag. Das Tageblatt sprach im Vorfeld mit ihm über die Risiken des EU-Vorhabens.
Auch für die Verbraucher geht es um vieles: Die entsprechenden Produkte müssen nicht mehr gekennzeichnet werden Symbolfoto: Patrick Pleul/dpa
Tageblatt: Herr Then, was kann die sogenannte Genschere, das CRISPR/Cas9-System, für das die Wissenschaftlerinnen Emmanuelle Charpentier und Jennifer Doudna 2020 mit dem Nobelpreis für Chemie ausgezeichnet wurden?
Dr. Christoph Then: Sie kann viel zielgenauer, als es bei der alten Gentechnik der Fall war, ins Erbgut von Pflanzen eingreifen. Dabei werden keine Gene über die Artgrenzen hinaus übertragen. Vielmehr wird das Erbgut der Pflanzen direkt verändert. Die Effekte, so wird behauptet, seien der konventionellen Züchtung gleichzusetzen, bei der zufällige Mutationen genutzt werden – und die NGT würde letztendlich nichts anderes machen. Doch das stimmt nicht. Die Genschere ist ein Enzym, das biotechnologisch so designt ist, dass sie an ganz bestimmten Stellen schneidet und ganz spezielle Muster der genetischen Veränderung herbeiführt. Sie kann dabei verhindern, dass die Zellen die ursprüngliche Genfunktion wiederherstellen, wie das bei zufälligen Mutationen sonst oft der Fall ist. Oft kann man die dabei entstehenden Muster der genetischen Veränderungen nicht nach dem Zufallsprinzip erzeugen. In der konventionellen Züchtung hat man viel mit Zufallsmutationen versucht, zum Beispiel mit Bestrahlung, um solche Pflanzen zu bekommen, die man jetzt mit der NGT erhält. Doch in vielen Fällen gelang das nicht, viele dieser Pflanzen gab es vorher nicht und sie können auch in Zukunft nicht mit konventioneller Zucht produziert werden. Sie sind neu für die Umwelt und müssen deswegen auf Risiken untersucht werden. Oft reichen wenige Veränderungen aus, um diese NGT-Pflanzen zu erhalten. Ein neues Produkt, das in Japan auf dem Markt ist, ist etwa die sogenannte GABA-Tomate, die einen so hohen Gehalt an Gamma-Aminobuttersäure hat, dass sie angeblich den Schlaf fördert und blutdrucksenkend ist.