Luxemburg
„Die Polizei kann das Problem nicht alleine lösen“: Autotunig-Szene ist Minister Kox ein Dorn im Auge
Regelmäßig kommt auf Kockelscheuer eine ganze Gruppe von Auto-Tunern zusammen. Diese Treffen sind der Polizei allerdings nicht entgangen – und bereiten ihr so einiges Kopfzerbrechen.
Nicht nur aufgemotzte Karren werden bei den Treffen zur Schau gestellt, sondern auch „wilde Rennen“ veranstaltet Symbolfoto: Pixabay
Fast & Furious – Luxembourg Edition: Auf Nikolaustag erkundigte sich der DP-Abgeordnete Claude Lamberty in der Chamber zu den auf dem P&R Kockelscheuer stattfindenden Auto-Tuning-Treffen. Dort sollen sich regelmäßig Einheimische wie auch Menschen aus der Großregion treffen und sogar „wilde Rennen“ veranstalten. „In den letzten Wochen häufen sich die Meldungen einer Problematik, die, so glaube ich, unterschätzt wird“, so Lamberty.
Die Treffen beziehungsweise Autorennen würden nicht nur ein Sicherheitsrisiko darstellen, sondern zögen auch eine Minderung der Lebensqualität der Anwohner mit sich – etwa durch die große Lärmbelästigung. Um dies zu untermauern, führte Lamberty einige alte Meldungen aus den Medien und dem Polizeibulletin an. Erst im September 2022 fanden sich rund 300 Menschen mit 100 Fahrzeugen ein. Im Mai 2021 waren es sogar über 500 Szenen-Mitglieder. Dabei musste die Polizei etliche Verstöße feststellen.
Der Polizei sei demnach sehr wohl bewusst, dass auf dem Parkplatz Kockelscheuer Anhänger der Auto-Tuning-Szene unterwegs sind. Es gebe noch andere Orte, an die sich die Autonarren zurückziehen würden, nachdem ihr Treffen auf Kockelscheuer aufgelöst wurde – beispielsweise in Ettelbrück oder auf einem Privatparkplatz in Foetz, so Luxemburgs Polizeiminister Henri Kox („déi gréng“). Die Polizei würde auch regelmäßig Kontrollen durchführen, aber diesen Treffen entgegenzuwirken sei ein schwieriges Unternehmen. Die Vorfälle hätten demnach zugenommen, „aber die Polizei ist nicht untätig“, verteidigte sich der Minister.
Wie lautet der Plan?
„Die Polizei kann das Problem nicht alleine lösen“, meinte Kox. So würde die Polizei mit mehreren Partnern zusammenarbeiten, etwa dem TÜV Rheinland, der die nötigen Geräte zur Messung der Lärmpegel zur Verfügung stelle. Auch Luxemburgs Nachbarländer würden mit ins Boot geholt werden. Details darüber, wie diese internationale Zusammenarbeit genau aussieht, gab der Polizeiminister allerdings keine. Auch Lambertys Frage, ob die Gerüchte wahr seien, dass es aufgrund der Rennen bereits Verletzte gegeben haben soll, blieb unbeantwortet.
Doch warum treffen sich die Auto-Tuner gerade auf dem P&R Kockelscheuer? Kox meinte, der Parkplatz sei relativ leicht erreichbar und es gebe kaum Hindernisse, die das Zirkulieren der Autos behindern würden. Um dem also entgegenzuwirken, könnte man beispielsweise am Parkplatz Barrieren errichten und die Strafgebühren erhöhen. Beides falle jedoch nicht in seinen Zuständigkeitsbereich, sondern in den der Gemeinde Roeser (was die Gestaltung des Parkplatzes betrifft).
Bei vergangenen Kontrollen hätten Polizisten Strafzettel zwischen 24 und 145 Euro ausgestellt. In Luxemburg angemeldete Wagen könnten zudem in eine obligatorische technische Kontrolle geschickt werden. Dort müsse dann geprüft werden, ob die getunten Autos immer noch regelkonform sind. Einigen Wagen sei auch gleich die Zulassung entzogen worden. So seien beispielsweise 2019 vier, 2020 17, 2021 26 und 2022 36 Autos wegen großer Lärmbelästigung direkt aus dem Verkehr gezogen worden. Derartige „coups de poings“ ließen sich leider nicht immer schnell verwirklichen, würden aber regelmäßig gemacht, so Kox.