Interview

„Die Iraner haben ihr Vertrauen in den Westen ein Stück weit verloren. Vor allem in Europa.“

Obwohl schon lange in Luxemburg lebend, ist Fari Khabirpour gut vernetzt mit der iranischen Community. Mit dem Tageblatt sprach er über die aktuelle Situation und einen möglichen Regimewechsel.

Fari Khabirpour setzt sich für ein Ende des Mullah-Regimes und eine demokratische Zukunft im Iran ein

Fari Khabirpour hofft auf ein Ende des Mullah-Regimes im Iran und auf eine demokratische Zukunft des Landes Foto: Editpress/Didier Sylvestre

Tageblatt: Herr Khabirpour, Sie haben sich mit Ihrer Einschätzung zu einem möglichen militärischen Schlag gegen das iranische Regime früh an der öffentlichen Debatte beteiligt. Wie betrachten Sie die Lage heute?

Fari Khabirpour: Grundsätzlich muss man unterscheiden zwischen dem Land Iran und dem Regime, das dort nach wie vor regiert. Wenn man beide in einem Atemzug nennt, verliert man den tieferen Sinn dieses Landes aus den Augen. Der Iran ist ein uraltes kulturelles Gefüge, gewebt aus Poesie, Mystik und philosophischer Tiefe. Was heute regiert, ist nicht die Seele des Landes, sondern ein politisch-religiöses Machtgerüst, das sich seit Jahrhunderten seiner eigenen Legitimität vergewissert, statt dem Volk zu dienen. Die persische Kultur war immer stärker als jede Ideologie. Der Islam im Iran ist eine Form des Glaubens, die über politische Machtansprüche hereinbrach – wie einst eine Flut, die versucht, ein Land über seine natürlichen Grenzen hinweg zu fluten. Der Glaube der Menschen, ihre urbane Welterfahrung, ihre Dichtung – all das blieb bestehen, auch wenn die Machtelite versuchte, es zu überdecken.

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