Recht auf Abtreibung

Das „Planning familial“ stellt sich den antifeministischen Argumenten von Schockmel entgegen

Nach Gérard Schockmels umstrittenem Beitrag im „Luxemburger Wort“ weist das „Planning familial“ die Aussagen entschieden zurück – und verteidigt das Erbe von Simone Veil.

Der DP-Abgeordnete Gérard Schockmel (Mitte) sorgt mit Äußerungen zum Abtreibungsrecht und Feminismus für Empörung

Der DP-Abgeordnete Gérard Schockmel (Mitte) sorgt mit Äußerungen zum Abtreibungsrecht und Feminismus für Empörung Foto: Editpress/Julien Garroy

Das Recht auf Abtreibung soll in die Luxemburger Verfassung aufgenommen werden – dem haben nun auch CSV und DP zugestimmt. Ganz einverstanden ist jedoch nicht jeder damit: Der DP-Abgeordnete Gérard Schockmel ist vehement dagegen und hat seine Ablehnung eines verfassungsmäßigen Abtreibungsrechts nie verborgen. In einem Gastbeitrag für das Luxemburger Wort legte Schockmel noch einmal nach – mit Aussagen, die selbst in den Reihen der CSV für Irritation sorgen. Die Reaktionen auf Schockmels Beitrag ließen nicht lange auf sich warten.

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Die Frauen in der CSV positionieren sich in einem Facebook-Post sehr klar gegen die Aussagen des DP-Abgeordneten. Und auch aus Schockmels eigener Partei erfährt der Arzt Widerspruch. Gleichstellungsministerin Yuriko Backes (DP) verfasste auf Facebook einen Post, der die Aussagen ihres Parteikollegen Stück für Stück auseinanderpflückte. Die Zivilgesellschaft ist ebenfalls empört: Das „Planning familial“ weist in einer Stellungnahme am Montag Schockmels Darstellung entschieden zurück. Er habe die Figur von Simone Veil instrumentalisiert, um einen antifeministischen Diskurs zu bedienen und sich gegen das Recht von Frauen auf Selbstbestimmung zu stellen.

„Wenn die Debatte über Abtreibung heute von Feministinnen geführt wird, ist das umso besser. Denn ohne sie gäbe es vielleicht gar keine Debatte – und auch kein Recht“, heißt es in der Stellungnahme vom „Planning“. Seit über 50 Jahren kämpften Feministinnen dafür, dass die Freiheit, selbst zu entscheiden, Realität bleibe.

„Keine Frau greift leichtfertig zur Abtreibung“

Die Organisation kritisiert, dass unter dem Deckmantel der Meinungsfreiheit diskriminierende Positionen in großen Medien verbreitet werden. „Wenn es heute offenbar jedem möglich ist, im Namen der Meinungsfreiheit eine diskriminierende Meinung auf einer ganzen Seite der wichtigsten Tageszeitung des Landes zu äußern, dann ist das der Beweis dafür, dass es weder Zensur noch Schweigen gibt“, heißt es.

Besonders scharf wendet sich das „Planning“ gegen die Vereinnahmung der Figur Simone Veils. Die Interpretation sei eine „historische Manipulation“. Veil habe niemals versucht, Rechte einzuschränken: „Sie hat die Freiheit, die Würde und die Gesundheit von Frauen gegenüber einem fast ausschließlich männlichen und weitgehend feindseligen Parlament verteidigt.“ Und die Organisation geht noch weiter: „Sie zu zitieren, um die Rechte zu schwächen, für die sie sich eingesetzt hat, bedeutet, ihr Vermächtnis zu verraten.“

Das Zitat Veils, „Keine Frau greift leichtfertig zur Abtreibung“, sei oft missverstanden worden. Sie habe damit nicht zu mehr Restriktionen aufgerufen, sondern „die Schwere der Entscheidung betont, um ihre Legitimität besser verteidigen zu können“. Ihre Gesetzesreform habe das Abtreibungsrecht nicht „erlaubt“, sondern „der Heuchelei und dem Leiden ein Ende gesetzt“.

Abschließend wird betont: „Das Recht auf Abtreibung ist keine Ideologie. Es ist ein Grundrecht, das Ergebnis eines langen demokratischen Kampfes“. Das Planning Familial kündigt an, sich weiterhin dafür einzusetzen, dieses Recht dauerhaft zu sichern: „Wir sind mehr als entschlossen, es in der Verfassung zu verankern – um es vor den Rückwärtsgewandten dieser Welt zu schützen.“ (DJ)

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