Veruntreute Gelder

Caritas erhält vorerst keine finanzielle Hilfe mehr vom Staat

Die Caritas-Affäre spitzt sich zu. Premier Frieden verkündet, vorerst „keinen Euro“ an die Caritas zahlen zu wollen – und fordert einen provisorischen Verwalter, der als Ansprechpartner dienen kann.

Die luxemburgische Caritas steht vor einer ungewissen Zukunft

Die luxemburgische Caritas steht vor einer ungewissen Zukunft Foto: Editpress/Fabrizio Pizzolante

61 Millionen gestohlene Euro, spanische Konten, ausgetrickste Banken. Was nach einem Thriller-Stoff klingt, bedroht in der Realität die Existenz der luxemburgischen Caritas. Eine Mitarbeiterin hatte in Abwesenheit des Generaldirektors Marc Crochet sowohl 28 Millionen Euro vom Konto der Organisation entwendet als auch Kreditlinien in Höhe von 31 Millionen aufgenommen. Am Montagabend nahm die luxemburgische Polizei eine Person fest, die sich im Rahmen der Ermittlungen gestellt hatte.

Am Mittwoch teilte Premierminister Luc Frieden (CSV) mit, dass der Staat aktuell keine Gelder an die Caritas auszahlen werde. Zusammen mit Finanzminister Gilles Roth (CSV), Familienminister Hahn (DP) sowie dem Kinder- und Jugendminister Claude Meisch (DP) hatte Frieden zuvor den Abgeordneten der zuständigen Chamber-Kommissionen erklärt, dass der Staat kein Vertrauen mehr in die aktuellen Strukturen bei der Caritas habe. Frieden bezeichnete die Organisation in der Sitzung nichtsdestotrotz als wichtigen Partner und Akteur bei der Bekämpfung von Armut, so Claire Delcourt (LSAP), Vizepräsidentin der Familien-Kommission. In seiner Pressekonferenz am Nachmittag nannte Frieden die Caritas hingegen einen „Dienstleistungsservice“ für den Staat, der sich zum Beispiel um Flüchtlinge und Obdachlose kümmert.

Noch Geld für zwei Monate

Frieden betonte gegenüber den Abgeordneten, dass die Arbeit in diesen Bereichen weiterlaufen müsse. „Wir kümmern uns um die Aktivitäten, nicht um die Caritas“, zitiert die Grünen-Abgeordnete Djuna Bernard den Premier nach der Kommissionssitzung gegenüber dem Tageblatt. Die Regierung habe mehrfach deutlich gemacht, dass die veruntreuten Gelder das Problem der Caritas seien, weshalb auch die Caritas Gespräche mit den Banken führen müsse. „Die Caritas ist nicht der Staat“, zitiert Delcourt den Premier. Um ihre Mitarbeiter zu bezahlen, habe die Organisation noch Geld für zwei Monate, so Bernard. Diese Zeit müsse ausreichen, um einen Plan B zu entwickelt, sagt Delcourt.

Die Regierung selbst kommuniziere im Augenblick nicht mehr mit der Generaldirektion, sondern mit dem Verwaltungsrat, so Bernard. Man fordere außerdem die Einsetzung eines provisorischen Verwalters, der als Ansprechpartner dienen kann. Während die LSAP-Abgeordnete Delcourt sich gegenüber dem Tageblatt erleichtert zeigt, dass sich die Regierung ihrer „moralischen Aufgabe“ bewusst sei, hat die Grünen-Politikern Bernard nicht den Eindruck, als sei dem Staat viel an der Rettung der Caritas gelegen.

Der „Cercle de coopération“, in dem mehr als 90 entwicklungspolitische NGOs organisiert sind, rief am Mittwoch in einer Pressemitteilung Spender und Freiwillige im Großherzogtum dazu auf, ihr Vertrauen in den Sektor aufrechtzuerhalten und ihre Unterstützung für die internationale Solidarität fortzusetzen. Man bedauere und verurteile jeden Akt der Veruntreuung von Geldern, umso mehr, wenn er die Unterstützung der schwächsten und bedürftigsten Bevölkerungsgruppen gefährdet. Außerdem bekundete der Cercle seine Solidarität mit den ehren- und hauptamtlichen Mitarbeitern der Caritas.

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