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„Auf harten Winter vorbereiten“: Turmes bestätigt Gaspreis-Erhöhung von vor zwei Wochen

Luxemburgs Energieminister Claude Turmes hat sich auf Twitter zur Energieversorgung im Land geäußert

Luxemburgs Energieminister Claude Turmes hat sich auf Twitter zur Energieversorgung im Land geäußert Foto: Editpress-Archiv/Didier Sylvestre

Luxemburgs Energieminister Claude Turmes („déi gréng“) hat am Dienstagmorgen auf Twitter erklärt, dass der Energieversorger Enovos eine „deutliche Erhöhung“ der Gaspreise angekündigt habe. Auf Tageblatt-Anfrage erklärt das Enovos-Mutterunternehmen Encevo jedoch: „Es handelt sich dabei nicht um eine zusätzliche Steigerung, sondern eben um jene, die bereits vor ein paar Wochen angekündigt war. Diese wird wie gesagt ab Oktober in Kraft treten.“

Ce matin, Enovos a annoncé une augmentation significative du prix du gaz ; d’autres fournisseurs devront également prendre de telles décisions.
Je suis conscient que ces hausses de prix représentent un lourd fardeau pour de nombreux citoyens et entreprises 1/3

— Claude Turmes (@ClaudeTurmes) August 30, 2022

Turmes erklärt derweil auf Twitter: „Ich bin mir bewusst, dass diese Preiserhöhungen eine große Belastung für viele Bürger und Unternehmen darstellen. Wir müssen uns auf einen harten Winter vorbereiten.“ Neben der Fortsetzung der befristeten Subventionierung der Gasnetzgebühren seien weitere gezielte Regierungsmaßnahmen erforderlich, „um denjenigen zu helfen, die am stärksten unter den steigenden Gaspreisen leiden“, so Turmes. Zum Schluss des Tweets schreibt er: „Um Geld zu sparen, besuchen Sie bitte die Website energie-spueren.lu, die Sie über Möglichkeiten informiert, Ihren Gasverbrauch zu senken.“

Veranschaulichung des Preisanstiegs

Das Unternehmen Encevo erklärt auf Tageblatt-Anfrage anhand eines Rechenbeispiels, wie sich der Preisanstieg im Oktober für Privathaushalte auswirken könnte: „Für einen typischen Vier-Personen-Haushalt mit einem durchschnittlichen Verbrauch von 3.300 m3/Jahr (36.300 kWh/a) würden sich die jährlichen Gesamtkosten inklusive Steuern auf +/- 5.400 Euro/Jahr belaufen (ohne Netzkosten, die derzeit vom Staat subventioniert werden). Ohne Übernahme der Netzkosten durch den Staat würde sich der Preis auf 6.070 Euro/a belaufen (einschließlich Netzkosten).

Mit dem aktuellen, bis Ende September geltenden Tarif (angewandt auf zwölf Monate) beliefen sich die jährlichen Kosten auf ca. 3.050 Euro/a inklusive Mehrwertsteuer (ohne Netzkosten) bzw. 3.600 Euro/a inklusive Mehrwertsteuer (mit Netz), woraus sich ein Anstieg von 77 Prozent (ohne Netzkosten) beziehungsweise 68 Prozent (inklusive Netzkosten) für diese theoretische Berechnung ergibt.

Zu beachten ist, dass auf den Großhandelsmärkten die Situation seit einem Jahr schwierig ist. Vor dem Sommer 2021 lag der Preis für eine MW/h zwischen 20 bis 30 Euro, heute liegt er bei 200 bis 300 Euro, ist also um den Faktor 10 oder mehr gestiegen.“

Eine Steigerung von 90 Prozent beim Gaspreis hatte Luxemburgs Statistikbehörde in seiner Inflationsprognose in der vor einigen Wochen bereits für möglich gehalten – im „zentralen“, wahrscheinlichen Szenario, in dem noch im vierten Quartal dieses Jahres eine Indextranche ausgelöst werden würde. Am 11. August – eine Woche nach dieser Prognose – meldeten zwei große Gasversorger in Luxemburg, dass sie die Preise für die Endkunden zum Oktober erhöhen müssten.

„Die unvorhersehbare Entwicklung der russischen Gaslieferungen wird über die nächsten Monate den Preis auf den Großhandelsmärkten weiterhin maßgeblich beeinflussen“, schrieb Encevo damals gegenüber dem Tageblatt. 81.092 Haushalte, rund 30 Prozent, sind laut dem Regulierungsinstitut ILR in Luxemburg ans Gasnetz angeschlossen. Das hierzulande verbrauchte Erdgas wird über Hochdruckleitungen aus Belgien und Deutschland importiert. 2021 kamen 6.874 Gigawattstunden aus Belgien und 1.780 aus Deutschland.

Opposition fordert schnelle Hilfen

Piraten-Politiker Marc Goergen reagierte auf Twitter auf die Stellungnahme von Claude Turmes und forderte einen Energiebonus. „Dafür direkt einen Energiebonus in Höhe von 150 Euro für alle Haushalte“, zwitschert Goergen auf dem sozialen Netzwerk und schränkt ein. „Bis zu dem vierfachen des Mindestlohnes – danach nur noch 50 Prozent der Prämie.“ Ob Goergen sich mit seiner Forderung des vierfachen Mindestlohnes auf das Einkommen eines Einzelnen oder des Haushaltes bezogen hat, geht aus seiner Stellungnahme nicht hervor.

Parteikollege Sven Clement forderte unterdessen, dass die „Vergesellschaftung der Probleme und die Privatisierung der Gewinne im Energiesektor“ aufhören müsse. „Anstatt individueller Verantwortung zum Sparen braucht es eine Übergewinnsteuer für Energiekonzerne“, schreibt Clement ebenfalls auf Twitter.

Die CSV hat auf Facebook ebenfalls auf die Bestätigung der Energiepreis-Erhöhung von Energieminister Claude Turmes reagiert. „Wir fordern, dass der Einkommensdeckel für die Energieprämie verdoppelt wird“, schreiben die Christsozialen. „Ein Haushalt von vier Personen mit einem Nettoeinkommen von 8.000 Euro pro Monat soll ebenfalls in den Genuss der 350-Euro-Prämie kommen.“ Bisher liegt das für die Energieprämie zulässige Maximaleinkommen eines Haushaltes bei einem Nettobetrag von 4.600 Euro pro Monat. „Die Bürger brauchen finanzielle Hilfe, um den Winter zu überstehen.“

Der Sprecher von „déi Lénk“ Gary Diederich hat auf Twitter ebenfalls auf Turmes Aussagen reagiert. „Déi Lénk hat schon Anfang 2022 gefordert, dass jeder Person via Steuerkredit 200 Euro, degressiv bis zum Medianlohn, zugestanden werden soll“, schreibt Diederich ebenfalls auf Twitter. „Diese Maßnahme macht den kontraproduktiven Tankrabatt überflüssig.“

Ugangs 2022 huet @dei_lenk schon gefuerdert datt all Persoun op hiirem Salaire iwert een Credit d'impôt 200 € pro Mount, degressiv bis den medianen Loun, soll beigleuegt kréien. Dës sozial cibléiert Mesure mëscht den kontraproduktiven #Tankrabatt iwerflësseg https://t.co/bI1sVFKVBd

— Gary Diderich (déi Lénk) (@garydiderich) August 30, 2022

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