Luxemburg
Abgeordnete zweifeln an der Impfpflicht – und an ihrer Verhältnismäßigkeit
Die sektorielle Impfpflicht für Gesundheitsberufe ist aufgrund der aktuellen Fakten- und Datenlage nicht angebracht – eine Impfpflicht für Menschen ab 50 Jahren aber schon. Das ist, maximal komprimiert, die Schlussfolgerung aus der 70-seitigen Betrachtung, die ein Thinktank aus Medizin-Experten gerade vorgestellt hat. Am Donnerstag bekommt der Gesundheitsausschuss des Luxemburger Parlaments Gelegenheit, mit den Autoren des Papiers zu sprechen und eventuelle Unklarheiten zu beseitigen.
Zweifel an der Impfpflicht (v.l.n.r.): Nathalie Oberweis („déi Lénk“), Sven Clement (Piraten), Martine Hansen (CSV), Josée Lorsché („déi gréng“) und Fernand Kartheiser (ADR) Grafik: Frank Goebel / Fotos: Editpress
Die Grünen-Abgeordnete Josée Lorsché ist Vizepräsidentin der Kommission für Gesundheit, Chancengleichheit und Sport. Ihre Partei habe den „etwas extensiven“ Avis in der Fraktion besprochen. Dort habe allgemein die Skepsis überwogen, ob die Impfpflicht „verhältnismäßig ist zu dem, was derzeit vorliegt“: Momentan seien die Krankenhäuser eher gering belastet, die Intensivstationen zwischenzeitlich geleert von Covid-19-Patienten. „Wir wissen natürlich auch, dass das Virus mit Überraschungen verbunden ist“, sagt Lorsché, sieht aber die „grundsätzliche Frage: Darf man Grundrechte einschneiden aufgrund von Dingen, die eintreten können, aber nicht müssen?“ Schließlich begründe sich die Sinnhaftigkeit der Impfpflicht für über 50-Jährige letztlich nur auf einem Worst-Case-Szenario. Lorsché zweifelt auch daran, dass ein entsprechendes Gesetz es überhaupt durch den Staatsrat schaffen würde.