Editorial
Zwei Welten: Zwischen dem Erfolg der „Roten Löwen“ und der Realität der BGL Ligue
Die Fußballnationalmannschaft weiß die Massen zu begeistern, die Zuschauerzahlen in den nationalen Meisterschaften zeigen dagegen seit Jahren nach unten. Doch es besteht Hoffnung.
Es gibt definitiv Wege, junge Fußballfans auf Dauer an einen Verein zu binden Foto: Editpress/Gerry Schmit
Fußball funktioniert am besten mit seinen Floskeln. Da wäre etwa die Analyse: „Darüber spricht morgen keiner mehr.“ Diese Weisheit bezieht sich eben nicht auf Ziffern einer Anzeigetafel im Stadion, sondern auf den Inhalt – sprich den Weg zum Ziel. Die „Roten Löwen“ haben in ihren beiden Play-off-Duellen gegen Malta genau das bewiesen: Es muss nicht immer besonders attraktiv und qualitativ hochwertig sein.
Jeff Strasser wollte diesen Klassenerhalt in der Liga C der Nations League auch nicht als Mindestanforderung an seine Mannschaft abstempeln lassen. „Ich werde nicht zulassen, dass das kleingeredet wird“, gab der Nationaltrainer bei der Pressekonferenz am Dienstagabend zu verstehen. Das taten über 9.000 Zuschauer wohl auch nicht. Das Stadion war schon länger ausverkauft – und das, obschon die FLF-Auswahl einen schweren Herbst ohne Punkte hinter sich hat.
Die Treue der Fans hat nicht gelitten. Die Popularität, die in den vergangenen Jahren rund um diese Generation entstanden ist, zerbrach nicht nach einer (von den Ergebnissen her) schlechteren Kampagne. Dennoch war es wichtig, die Anhänger diesmal mit gutem Gefühl und positiven Erinnerungen nach Hause zu schicken. Drei Tore bejubeln zu dürfen, ist nun einmal eine Seltenheit, die in den Köpfen hängenbleibt. Zumindest bis Juni, wenn die nächsten internationalen Testspiele anstehen.
Nun steht die Rückkehr zum Liga-Alltag in Luxemburg auf dem Programm. Dass die Euphorie rund um das Nationalteam auf die Meisterschaft überschwappen wird, ist Utopie. „Darüber spricht morgen keiner mehr“ ist allerdings manchmal der Eindruck, den man von der BGL Ligue hat. Die Zuschauerzahlen in der Nationaldivision sind schon vor Jahren in den Keller gesunken und haben sich nie erholt – während die „Roten Löwen“ gleichzeitig die größten Erfolge der Geschichte schrieben.
Die Erklärungen für den Zuschauerschwund sind bekannt: Es geht von wenig Komfort im Stadion über mangelnde Identifikation mit Spielern oder wenig ansehnliche Qualität bis hin zum Ticketpreis. Wahrscheinlich ist es viel zu spät, um die verloren gegangene Generation zurückzuholen. Doch wer die hunderten Kinder am Dienstagabend zu später Stunde vor dem VIP-Bereich erlebte, die mit leuchtenden Augen um Autogramme von den Nationalspielern baten, darf noch hoffen. Es ist nämlich genau dieser fußballverrückte Nachwuchs, den die nationalen Vereine jetzt an sich binden sollten: Ihnen eine Zukunft in den Klubfarben zu ermöglichen oder sie regelmäßig mit kleineren Aufgaben und Wertschätzung an das Ehrenamt heranzuführen, sind zwei Wege, es in Zukunft besser zu machen.