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Wirklichkeit im Jahre 1921, Wirklichkeit im Jahre 2021

Wirklichkeit im Jahre 1921, Wirklichkeit im Jahre 2021

Symbolfoto: Jens Kalaene/dpa-Zentralbild/dpa

Im Zuge der ominösen Capitani-Casting-Affäre scheint es an der Zeit zu sein, wichtige gesellschaftliche Prozesse und Diskussionen ins Lächerliche zu ziehen und – weil man ja selbst wohl eher nicht betroffen ist und sich deshalb hinterfragen müsste – zu vergessen:

– dass unsere MitbürgerInnen lediglich aufgrund ihrer Hautfarbe diskriminiert werden, ja teils sogar Gewalt erfahren müssen. Immer noch.

– dass Frauen in großen Teilen unserer Welt zumindest benachteiligt werden, wenn nicht sogar als Menschen zweiter Klasse oder sogar Besitztümer gelten. Immer noch.

– dass ein Teil unserer Bevölkerung Diskriminierung erfährt, und das nur, weil ihre Sexualität von manchen Menschen als „unnormal“ angesehen wird. Immer noch.

– dass unsere Mitmenschen, die im falschen Körper geboren wurden, dadurch ernst zu nehmende Probleme in ihrem Leben erfahren, aber nicht ernst genommen werden. Immer noch.

– dass Menschen lediglich aufgrund ihres Herkunftslandes als problematischer angesehen werden, als andere und deswegen alles von Diskriminierung bis hin zu Gewaltakten erleben. Immer noch.

– dass rechtsgerichtete, bis rechtsextreme Parteien zunehmend an Macht gewinnen. Getragen wird diese Entwicklung durch Panikmache und populistische Propaganda. Die linken Parteien sowie das politische Zentrum werden zu Gegnern statt Teilen unserer Demokratie. Immer noch.

– dass westliche Großmächte glauben, den Konflikt im Nahen Osten über die Köpfe der Betroffenen hinweg lösen zu können. Immer noch.

– dass ein Politiker von einer rechtsradikalen Gruppierung ermordet werden kann. Immer noch.

– dass Spannungen in Irland aufgrund der geopolitischen Situation dermaßen hochkochen, dass es zu gewalttätigen Ausschreitungen kommt. Immer noch.

–  dass Millionen unserer Mitmenschen in einer Pandemie sterben und deshalb weitgehende Maßnahmen zu deren Bekämpfung notwendig werden und sind. Immer noch.

– dass rechtsradikale Gruppierungen, angestachelt von charismatischen Führern, gewalttätig gegen ihre selbst verschriebenen Gegner vorgehen. Immer noch.

– dass Teile unserer Bevölkerung sich zunehmend radikalisieren und die Regierungen tatenlos zusehen. Immer noch.

– dass Angriffe auf die sogenannte „Lügenpresse“ zum Alltag gehören. Immer noch.

– dass wichtige Entwicklungen in unserer Gesellschaft Opfer von böswilliger Propaganda werden und dadurch die Diskussion an sich ins Lächerliche gezogen und unmöglich wird. Immer noch.

Aber Gendersternchen sind unser größtes Problem.

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