Leserforum
Galgenberg-Esch: öffentlicher Raum – unter Vorbehalt!
Mit den Francofolies im Juni kehrt jedes Jahr dieselbe Frage zurück: Wie viel Platz bleibt den Einwohnerinnen und Einwohnern noch auf dem Escher Galgenberg? Die Antwort fällt ernüchternd aus. Mit dem Festival verschwindet ein öffentlicher Raum – nicht für Tage, sondern für Wochen. Was sonst frei zugänglich ist, wird abgesperrt. Der Hügel bleibt sichtbar, aber entzogen. Niemand stellt die Bedeutung der Francofolies infrage. Sie bringen Leben in die Stadt und schaffen Sichtbarkeit. Doch Anspruch misst sich nicht nur an Wirkung, sondern auch an Maß.
Genau hier beginnt das Problem. Die Dauer der Sperrung für fast vier Wochen steht in keinem überzeugenden Verhältnis zur Dauer einer Wochenend-Veranstaltung. Aufbau, Abbau, Sicherheitszonen – all das ist notwendig. Aber notwendig ist nicht gleich verhältnismäßig. Die Argumente sind bekannt: Sicherheit, Logistik, Komplexität. Sie werden wiederholt – und schließlich akzeptiert. Was fehlt, ist die Gegenfrage: Muss ein öffentlicher Raum wirklich so umfassend entzogen werden, um ein Ereignis möglich zu machen?
Andere Städte zeigen, dass es auch anders geht. Zugang wird nicht aufgehoben, sondern organisiert. Nutzung wird nicht ausgeschlossen, sondern koordiniert. Am Escher Galgenberg hingegen gilt eine einfache Logik: schließen, sichern, ausnehmen. Und man gewöhnt sich daran. Genau darin liegt das Problem. Nicht die Sperrung selbst, sondern ihre Selbstverständlichkeit. Denn was sich wiederholt, setzt Maßstäbe. Und was zur Gewohnheit wird, entzieht sich der Kritik.
Die Frage ist daher grundsätzlicher Natur: Ist der Escher Galgenberg ein Gemeingut – oder eine Reservefläche für Veranstaltungen? Es geht nicht um ein Entweder-oder zwischen Kultur und Alltag, sondern um Verhältnismäßigkeit. Öffentliche Räume verlieren ihren Charakter, wenn sie regelmäßig entzogen werden. Die Lösungen sind bekannt: kürzere Sperrzeiten, durchlässige Zonen, bessere Planung. Es fehlt nicht an Möglichkeiten, sondern am Willen.
Ein öffentlicher Raum ist kein Privileg auf Zeit. Er ist ein Versprechen – und dieses Versprechen misst sich an seiner Zugänglichkeit.