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Wer plündert, verrät den Protest

Wer plündert, verrät den Protest

„Ras-le-bol“ – es reicht! Der Unmut vieler Franzosen ist nachvollziehbar. Während einer Jugenddemonstration sprühten Unbekannte den Satz „Der 17. Oktober ist unser Mai 68!“ an die Wände des Pariser Invalidendoms. Der Vergleich erinnert an eine Zeit des gesellschaftlichen Aufbruchs. Doch vielerorts schlug der Protest in erschreckende Gewalt um: Geschäfte wurden geplündert, Autos angezündet und öffentliche Gebäude in Brand gesetzt. Damit treffen die sogenannten „Casseurs“ ausgerechnet jene, deren soziale Not sie angeblich anprangern. Das ist kein Kampf für soziale Gerechtigkeit, sondern reine Gewalt auf Kosten der Schwächsten.

Wer Geschäfte plündert, Autos anzündet oder das historische Rathaus von Limoges in Brand setzt, kämpft nicht für soziale Gerechtigkeit – er verrät sie. Ein ausgebranntes Café macht Lebensmittel nicht billiger. Ein verwüstetes Rathaus erhöht keine Löhne. Und ein brennendes Auto eröffnet Jugendlichen keine bessere Zukunft. Zurück bleiben Angst, zerstörte Existenzen und Schäden, für die am Ende die Allgemeinheit aufkommen muss.

Doch auch die Politik darf sich nicht hinter den Bildern der Verwüstung verstecken. Wenn Barrikaden und Polizeieinsätze die Schlagzeilen beherrschen, geraten diejenigen Menschen aus dem Blick, die friedlich gegen sinkende Kaufkraft, mangelnde Bildungschancen und soziale Unsicherheit protestieren. Ihre Anliegen dürfen nicht im Lärm der Gewalt untergehen.

Zugleich haben die politischen Schuldzuweisungen begonnen. Während die Regierung linksextreme Gruppen verantwortlich macht, verweisen rechte Stimmen auf Islamismus und Migration. Linke Kräfte wiederum kritisieren die Polizeigewalt. So besteht die Gefahr, dass der Streit über die Verantwortlichen die eigentlichen Ursachen des Protests – soziale Ungleichheit, sinkende Kaufkraft und fehlende Zukunftsperspektiven – verdrängt. Die Polarisierung spielt jenen in die Hände, die für komplexe Probleme vermeintlich einfache Lösungen anbieten.

Soziale Verzweiflung ist ein Warnsignal, aber kein Freibrief für Gewalt. Frankreich ist hoch verschuldet und im Parlament wird über einen Sparhaushalt beraten. Doch allein mit Sparmaßnahmen werden die sozialen Spannungen nicht entschärft. Entscheidend ist, dass die Lasten nicht zulasten jener gehen, die ohnehin jeden Euro zweimal umdrehen müssen. Wer unter steigenden Preisen und fehlenden Perspektiven leidet, erwartet mehr als politische Schuldzuweisungen und leere Versprechen. Frankreich benötigt einen Rechtsstaat, der Plünderungen und Brandstiftung konsequent ahndet, sowie eine Politik, die soziale Not nicht länger ignoriert. Wer friedlich demonstriert, muss Gehör finden. Wer brandschatzt, muss sich vor dem Gesetz verantworten. Die Leidtragenden der sozialen Krise dürfen nicht auch noch für die Zerstörungswut anderer bezahlen. Denn Sicherheit allein schafft noch keine Gerechtigkeit – dafür braucht es eine Politik, die den Ursachen des Unmuts begegnet.

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