Kommentar
Wer braucht schon Fußball bei Olympia? – Zum Überangebot und zur Vielfältigkeit der Spiele
Foto: AFP/Asano Ikko
Ein Viertel Basketball-Spiel, ein halbes Beachvolleyball-Match, ein paar Highlights vom Skateboard-Wettbewerb: Olympia hat für den Fernsehzuschauer so einiges zu bieten, doch hat man immer wieder das unbefriedigende Gefühl, überhaupt nichts mitzubekommen. Noch stärker wird das Gefühl, wenn man anfängt, ständig zwischen den Sendern zu zappen. Der einzige Ausweg bietet sich online mit einem „On demand“-Angebot, wo man die Wettkämpfe verfolgen kann, die einen am meisten interessieren. Wobei man sich bei Olympia auch immer mal gerne Sportarten anschaut, die man sonst nicht so verfolgt. Ist man dann erst richtig eingetaucht, geht es schon wieder mit der nächsten Disziplin weiter.
Das Angebot bei Olympia ist einfach zu groß, um den Überblick zu behalten. Da die Fernsehrechte sehr lukrativ sind – für Tokio steht die Summe von vier Milliarden Dollar im Raum –, ist es verständlich, dass das IOC versucht, möglichst viele spektakuläre Bilder zu produzieren. Ob oder wie lange dieses Format noch zeitgemäß ist, ist schwierig zu beantworten. Etwas am Konzept Olympia zu ändern, ist mindestens genauso kompliziert. Für viele Sportarten sind die Spiele überlebenswichtig und die einzige Möglichkeit, wenigstens alle vier Jahre einmal im Fokus zu stehen. Daraus resultieren Sponsorenverträge sowie Fördergelder für Verbände und Sportler. Weniger Sportarten bei Olympia zuzulassen, hätte teilweise verheerende Auswirkungen auf die kleineren Verbände.
Wobei auf eine Sportart definitiv verzichtet werden könnte. Fußball bei Olympia braucht es nicht – und vor allem braucht der Fußball Olympia nicht. Während sich in den anderen Sportarten die weltbesten Athleten messen, kicken zweitklassige Nationalmannschaften um eine Goldmedaille. Da wäre es doch sinnvoller, eine kleinere Sportart in den olympischen Zirkel aufzunehmen. Damit wäre das Überangebot zwar nicht beseitigt, aber die Vielfältigkeit des Sports wäre gestärkt.