Editorial

Weniger Klima – mehr Mensch: Europas Grüne haben den Sinn fürs Praktische verloren

Europas Grüne haben Wähler verloren. Das liegt daran, dass sie Klimaschutz als abstrakte Weltrettung verkaufen statt als bessere Lebensqualität für alle. Dabei zeigt Luxemburg, dass es auch anders geht.

Klimaschutz Symbol mit grünen Blättern als Weg zu besseren Lebensbedingungen und nachhaltiger Zukunft

Klimaschutz ist kein abstraktes Projekt, sondern ein Weg hin zu besseren Lebensbedingungen – als solchen sollte er auch vermarktet werden Foto: dpa/Patrick Pleul

Es war lange Zeit eine politische Gewissheit: Wer auf Grün macht, liegt im Trend. Jahrelang schien der zunehmende Erfolg von Europas Grünen unaufhaltsam, getragen von einer Welle gesellschaftlichen Bewusstseins für Umwelt und Klima.

Doch vor einigen Jahren begann eine Trendwende – in Europa und auch in Luxemburg, wo die Verluste der Grünen der vorherigen Regierungskoalition am Ende den Boden unter den Füßen weggezogen haben.

Seither hat sich die Lage für grüne Parteien nicht verbessert: Klimaskeptiker, lange an den Rand gedrängt, melden sich mit wachsender Selbstsicherheit zu Wort. Von rechts kommen scharfe, teils richtig bösartige Angriffe.

Mit großen Worten versuchen die Grünen verzweifelt, gegen diese Angriffe zu kontern: Es gehe ums Klima, um nicht weniger als das Überleben der Menschheit. Doch die Menschen scheinen gesättigt von den Botschaften, die sie nun seit Jahren gebetsmühlenartig hören, gesättigt von einem Diskurs, der ihnen das Gefühl gibt, vor einer eher abstrakten globalen Katastrophe zu stehen, zu deren Bekämpfung sie in ihrem Alltag Verzicht üben sollen, ohne dass sich für sie selbst irgendetwas spürbar zum Besseren wendet.

Dabei wäre es falsch, die Kernanliegen der Grünen als überholt abzutun. Saubere Luft, sauberes Wasser, Schutz vor Lärm, intakte Naherholungsgebiete, ein Stausee, in dem man im Sommer schwimmen darf – das sind keine abstrakten Ideale, das ist handfeste Lebensqualität.

Doch schuld an der Misere sind die Grünen selbst: Jahrelang wurde nicht gut kommuniziert, und zumindest teilweise auch vergessen, dass Biodiversität, Naturschutz und der Kampf gegen den Klimawandel keine Selbstzwecke sind.

Das Klima wurde zum abstrakten, fast religiösen Megathema erhoben – einem Thema, das Verbote rechtfertigt und die Menschen die Kosten der ökologischen Transformation tragen lässt. Letzteres trifft dabei vor allem die, die es sich am wenigsten leisten können – in Form höherer Energiepreise, teurerer Autos und teureren Benzins. Für wohlhabende Eigenheimbesitzer hingegen gibt es großzügige Subventionen für Solaranlagen und Superreiche müssen kaum Steuern auf dem Kerosin für ihre Privatjets zahlen.

Eine nachhaltige grüne Politik hingegen müsste den Menschen ins Zentrum rücken – nicht neue soziale Ungerechtigkeiten schaffen. Schlussendlich ist der Klimaschutz kein abstraktes Projekt, sondern ein Mittel mit einem Ziel, das eigentlich niemanden kaltlassen sollte: langfristig bessere Lebensbedingungen für alle.

Das eigentliche Versäumnis liegt also nicht in den Inhalten, sondern in der Sprache, Haltung und Umsetzung. Wer Menschen für den Umweltschutz gewinnen will, muss dort ansetzen, wo sie leben: in ihrem Alltag. Saubere Umwelt und gute Lebensbedingungen sind Anliegen, hinter denen eigentlich alle Parteien stehen müssten, von ganz links bis ganz rechts, vorausgesetzt man verkauft sie nicht als Ideologie. Die erforderlichen politischen Maßnahmen sind größtenteils dieselben.

Dass es anders geht, haben die Grünen in Luxemburg auch bereits bewiesen. Vor allem der kostenlose öffentliche Transport hat dem Land bemerkenswerte internationale Aufmerksamkeit gebracht und gezeigt, was möglich ist, wenn grüne Politik aktiv gestaltet. Also: weniger Klima-Apokalypse – mehr Mensch.

3 Kommentare
Grober J-P 27.02.202609:55 Uhr

"das sind keine abstrakten Ideale, das ist handfeste Lebensqualität. " Die nicht mehr vorhanden ist.
Beispiele gibt es genug. Würden Sie im Hochsommer an der Misèresbréck noch nach Forellen angeln oder "um Buerfelt" ins Wasser steigen. Wir hatten die Chance noch mit Opa sie zu genießen, die Lebensqualität.
Wie sieht es eigentlich mit unserem Nationalfluss aus, H. Muller haben Sie ihn mal "fühlen" können, besonders im Sommer ?

Manfred Reinertz Barriera 27.02.202608:55 Uhr

Klar, viele Forderungen der grünen Müslis sind wohl berechtigt und empfehlenswert , aber wenn durch diese Leute vorgebracht werden, verlieren sie eben an Akzeptanz in der Bevölkerung, weil sie eben auch neue soziale Ungerechtigkeiten schaffen...

JJ 27.02.202608:24 Uhr

Sie haben ja auch die Quittung bekommen. Abschreckendes Beispiel war Deutschland mit dem Trio Infernal Baerbock,Habeck und Lang. Konzentriertes Unwissen mit einem Maximum an Ideologie. Brecheisenpolitik. Sogar Mutti ging dem Trend auf den Leim und schaltete kurzerhand die AKW aus und biederte sich beim Verbrecher Putin an um an billiges Gas zu kommen. Jetzt frieren die Leute im Winter und der Strom kostet soviel wie nirgends auf der Welt. Windrad,Solar und Speicher sollen es richten. Und weil die Gletscher schmelzen werfen Chaoten mit Tomatensoße auf Kunstwerke und kleben sich auf der Straße fest. Nun stellt sich die Frage: Qui bono? Da die Großen nicht mitmachen haben wir nur unser Gewissen beruhigt. Europa macht einen Bruchteil der Emissionen aus.Also.

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