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Weg von den amerikanischen Social Media? Ja!

Weg von den amerikanischen Social Media? Ja!

Nun ist es schon wieder passiert. Zum dritten Mal. Mein Facebook-Account wurde gesperrt. Ohne Angabe von Gründen. Ohne Vorwarnung. Eine winzige Katastrophe in der heutigen Welt (First World Problem, würde meine Tochter sagen).

Trotzdem gibt mir die Sache einiges zu denken: Warum wurde ich gesperrt? Wer mich kennt, weiß, dass ich eher nicht zum Verbreiten von Hass oder Fake News neige. Ist es ein Irrtum der KI, die die Konten analysiert, oder habe ich zu oft kritische Beiträge geteilt? Ich würde es gerne wissen.

Theoretisch könnte ich versuchen, mein Konto zu reaktivieren. Das letzte Mal musste ich dazu ein kurzes Video von mir hochladen. Das gefiel mir nicht, ich habe es dann doch getan, da mein Gesicht ohnehin etliche Male auf meiner Seite zu sehen war. Dieses Mal sollte ich meine Handy-Nummer eingeben, und dazu noch ein Scan meines Passes oder Führerscheins. Nein, habe ich mir gesagt, Zuckerberg weiß sowieso schon viel zu viel über mich. Will er das nächste Mal vielleicht mein Mail-Passwort oder den Zugangscode zu meinen Bankkonten?

So habe ich mich denn erst einmal von Facebook verabschiedet. Es sollte mir eigentlich nicht zu schwer fallen, denn ich bin mehr aus Zufall da hineingeraten, durch eine Gruppe von ehemaligen Absolventen des Philips Contest for Young Scientists. Es ist schön, Kontakte auf der ganzen Welt zu haben und so problemlos mit ihnen zu kommunizieren. Aber genau das ist die Falle. Die scheinbare Problemlosigkeit. Ich hatte den Bubble-Algorithmus gezielt für mich arbeiten lassen, indem ich bestimmte Beiträge „like“-te. So bekam ich jeden Tag eine Auswahl von schönen Katzen-, Mineralien, Höhlen- und Landschaftsfotos, Beiträge aus der Welt der Elektronik und Informatik und nicht zuletzt politisch-kritische Beiträge aus unterschiedlichen Richtungen. Das war schön.

Aber kein Paradies ist von Dauer. Seit der Corona-Krise wird uns immer drastischer vor Augen geführt, wie abhängig wir sind und wie fatal diese Abhängigkeit sein kann. Die informatische Abhängigkeit ist weniger klar sichtbar als die von den Rohstoffen. Aber: was passiert, wenn die USA zum Beispiel die GPS-Satelliten für Europa sperren, das Windows-Betriebssystem blockieren, den Zugang zu Cloud-Diensten nicht mehr erlauben, die Finanzdienstleistungen unterbinden usw.? Diese Szenarien sind heute nicht mehr total utopisch.

Nun komme ich zu meinem Aufruf an meine Freunde, Bekannten und die Politik: Verlasst euch nicht auf die Software, die ihr immer schon benutzt habt! Steigt um auf freie Software (Linux, LibreOffice usw.), vor allem an den Schulen. Dies kann auch schrittweise ganz gut funktionieren.

Verlasst euch nicht auf die Cloud! Speichert eure Daten lieber lokal und macht Back-ups.

Verlasst euch nicht auf die sozialen Medien, nicht auf die amerikanischen und schon gar nicht auf die chinesischen.

Noch eine Sache: Ja, ich möchte wieder die Möglichkeit haben, mit Menschen aus der ganzen Welt zu kommunizieren. Falls jemand eine gute Alternative zu Facebook weiß, sagt bitte Bescheid.

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