Der Politflüsterer

Von gehässigen Ziegen und betrogenen Vätern

Der Politflüsterer reiste durch Länder voll von Fremdenhass, Waffenlust und Bauruinen. Zum Glück fand er den Weg zurück nach Luxemburg.

Ziegen im Stall. Diese hier sind allerdings nett.

Ziegen im Stall. Diese hier sind allerdings nett. Foto: Editpress/Alain Rischard

Letztens war der Politflüsterer auf Reisen in einem nicht ganz so fernen Luxusland. Im Vergleich zu vielen anderen Regionen auf der Welt galt es als überaus wohlhabend und sicher. Irgendwo im Land stand auf einer Scheunentür der Spruch geschrieben: „Alle Tiere sind gleich.“ Gleich dahinter folgte in hellblauen Großbuchstaben: „MANCHE SIND NOCH GLEICHER.“ Ein adretter Ziegenbock tobte im weidichten Stall und blökte: „Jeder in unserem schönen Land kennt die Ursache von Kriminalität: Ausländer. Und Ausländer, die nicht arbeiten. Und Ausländer, die illegal sind.“

Kampf gegen das Böse

Die Geißlein stampften zustimmend mit ihren Hufen und meckerten im Chor: „Raus mit dem Gesindel.“ Wenn er erst einmal an der Macht wäre, sagte der Ziegenbock zornerfüllt, würde er Listen einführen, die die Nationalität von Kriminellen preisgeben würden. Dabei meinte er doch schon vorher ganz genau zu wissen, dass Verbrecher Ausländer seien. Vielleicht wusste er aber auch überhaupt nichts und tat nur so. Jedenfalls war der ganze Bauernhof fürchterlich aufgeregt: Die Geißlein unterschrieben blitzschnell eine Petition, damit sie sich selbst bewaffnen konnten, und sogar die Regierungspferde rüsteten auf.

Weiter entfernt standen in der ausgetrockneten Landschaft mehrere Bauruinen herum wie Strohmänner. Im Feld lagen geschlachtete Sparschweine und einsam im Wind flatterte eine Unterschriftensammlung, die den Schutz von Wohnungskäufern verlangte. Was für ein Elend, dachte sich der Politflüsterer. Und sogleich packte er seine Sachen und floh zurück ins Großherzogtum.

Zurück in Luxemburg

In Differdingen angekommen, sah er, dass ein Bürgermeister – nein, eine ganze Stadt – um fast eine halbe Million Euro beraubt wurde. Die Zeitung war voll. Der Gemeindevater schäumte: Das Tageblatt hatte bis ins Detail über Tathergang und Schlupflöcher im Rathaus geschrieben. Das sei aber alles zweitrangig, sagte der Bürgermeister. Wie wäre es hiermit: Man könnte doch in einem noch zu bestimmenden Gremium die Ausarbeitung einer beratenden Arbeitsgruppe zu Cybersecurity diskutieren? Das könnte helfen. Ganz bestimmt.

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