Editorial
Trump erinnert auch Luxemburg an die Vorzüge der Erneuerbaren – und an politische Versäumnisse
Mit dem Krieg im Iran hat der Ölpreis erstmals seit 2022 die 100-Dollar-Marke übersprungen. Für Europa – und für Luxemburg – ist es eine schmerzhafte Erinnerung: Die Abhängigkeit von Öl und Gas ist nicht überwunden. Sie war nur kurz aus den Schlagzeilen verschwunden.
Auch drei Jahre nach der Energiekrise von 2022 sind Europas Wirtschaft und Verbraucher immer noch abhängig von fossilen Brennstoffen Foto: AFP/Frederic J. Brown
Es ist allgemein bekannt: Gibt es Krieg im ölreichen Mittleren Osten, steigt die Unsicherheit und mit ihr der Ölpreis. Dass die Verteidigungsstrategie des Iran darauf abzielt, die Ölversorgung der Welt zu erschweren, verstärkt den Trend.
Die Folgen sind gewaltig: Am Montag lag der Ölpreis erstmals seit der 2022 vom russischen Überfall auf die Ukraine ausgelösten Energiekrise wieder über 100 Dollar pro Barrel. Anfang Januar lag der Preis erst bei 60 Dollar. Beim Gaspreis in Europa sehen die Zahlen noch schrecklicher aus: Dieser lag am Montag bei rund 60 Euro pro Megawattstunde, nach rund 20 Euro zu Jahresbeginn.
Schlimm ist nicht nur das verteuerte Benzin, sondern seine Effekte: Die höheren Transportkosten verteuern Lebensmittel und Waren – die Inflation steigt, ein höherer Leitzins könnte folgen. Mit negativen Folgen für die Kreditvergabe und damit für das Wirtschaftswachstum.
Vor allem Europa, das gerade erst begonnen hat, die Energiekrise von 2022 zu verdauen, riskiert zu leiden. Höhere Zinsen könnten das Wachstum drücken und die Verschuldung der Staaten teurer machen. Europäische Aktien haben bereits an Wert verloren, und auch der Euro hat – gegenüber dem US-Dollar – schon deutlich nachgegeben, was das Öl noch teurer macht. Die Wirtschaftsmechanismen sind unerbittlich.
Wohlgemerkt leiden auch die Vereinigten Staaten selbst unter den Folgen. Aber bleiben wir beim Blick nach innen. In Europa. In Luxemburg. Mit seinem Krieg erinnert Donald Trump den alten Kontinent auf brutale Weise daran, wie demütigend und gefährlich seine Abhängigkeit von importierter Energie ist. Dabei ist die Erkenntnis alles andere als neu: Bei Öl, Gas oder Atomenergie ist Europa von Importen aus dem Ausland abhängig. Bei Wind, Sonne oder Wasser ist das nicht der Fall. Doch die Sucht ist nicht geheilt, drei Jahre nach der letzten Energiekrise.
Zur gleichen Zeit hat Europa beschlossen, Hunderte Milliarden Euro in Panzer, Drohnen, Munition und Kampfjets zu investieren. Dafür ist der politische Wille da. Man darf also fragen: Hätte man 2022 – mit dem gleichen Elan, den man heute beim Waffenkauf an den Tag legt – in erneuerbare Energien investiert, wo stünden wir heute? Stattdessen sehen wir dieselbe Hilflosigkeit.
Energiepolitik ist Sicherheitspolitik. Jede Kilowattstunde, aus heimischer Wind- oder Solarenergie gewonnen, ist ein Stück Unabhängigkeit. Trotzdem bleiben die Investitionen weit hinter dem zurück, was möglich und nötig wäre. China baut Speicheranlagen in einem Tempo, das Europa atemlos zurücklässt.
Wie schlimm es werden wird, hängt davon ab, wie lange sich der Krieg fortsetzen wird. Die Händler an den Märkten glauben nicht an ein schnelles Ende. Auch die USA und der Iran zeigen sich nicht nachgiebig. Hinzu kommt, dass die Raffinerien der Region ihre Produktion heruntergefahren haben, und selbst wenn die Waffen ruhen, wird es Wochen dauern, ehe alles normal laufen kann.
Doch Donald Trump hat Europa, ungewollt, einen Dienst erwiesen. Er hat den Spiegel hochgehalten. Das Bild darin ist nicht schmeichelhaft: ein Kontinent, der weiß, was zu tun ist – es aber nicht tut. Ein Kontinent, der Waffen kauft, aber seine wahre strategische Schwäche nicht mit gleicher Entschlossenheit bekämpft.