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So kann Ungarn Europa noch stärker von den USA abhängig machen

So kann Ungarn Europa noch stärker von den USA abhängig machen

Die amerikanische Europapolitik macht deutlich, dass wir von den USA unabhängiger werden müssen. Es ist schwer, aber möglich. Zumindest sollen wir unsere Energieabhängigkeit von den USA verringern. Und hier kann auch Ungarn ein Dorn im Auge sein.

Die Parlamentswahl in Ungarn 2026 wird am 12. April 2026 stattfinden. Die unabhängigen Umfragen sehen derzeit die Oppositionspartei Tisza in Führung. Sollte Tisza gewinnen, würde Ungarn und Europa noch stärker in US-Abhängigkeit geraten. Péter Magyar, Vorsitzender der Tisza-Partei, hat plötzlich István Kapitány, den ehemaligen Vizepräsidenten von Shell, zum neuen Leiter der Abteilung für wirtschaftliche Entwicklung und Energiepolitik der Partei bekannt gegeben. Im Falle eines Regimewechsels würden Ungarn und Europa noch stärker von den USA abhängig werden. Das ungarische Politikmagazin und Nachrichtenportal Mandiner behauptet, dass Kapitánys Unternehmen Shell seit Ausbruch des russisch-ukrainischen Krieges massive Gewinne erzielt habe (im Vergleich zu den Vorjahren um 5 bis 20 Milliarden Dollar).

Gleichzeitig ist Péter Magyars Außenpolitiksexpertin Anita Orbán – die ehemalige Vizepräsidentin von einem amerikanischen globalen LNG-Unternehmen namens Tellurian, deren Ziel es ist, das von ihr geförderte Erdgas in verflüssigter Form auf den Weltmarkt zu exportieren, insbesondere nach Europa und Asien.

Anita Orbán arbeitete in Tellurian genau zu der Zeit, als István Kapitány Vizepräsident von Shell war. Einer der größten Eigentümer von Tellurian, bei dem Anita Orbán beschäftigt war, ist BlackRock, und das Unternehmen steht seit einiger Zeit unter Vertrag mit Shell.

Es besteht kein Zweifel daran, dass István Kapitány Vertreter amerikanischer Interessen in Europa ist. Und wenn er an die Macht kommt, werden die amerikanischen Gasexporte nach Europa weiter zunehmen. Und damit auch die Energieabhängigkeit Europas von den USA.

2 Kommentare
Marcus 21.03.202607:34 Uhr

Und das nennen Sie „europäische Wahl“? Kapitáni war Berater des amerikanischen Fonds Stonepeak, der im Dezember 2025 mit seiner Hilfe die Kontrolle über Castrol übernommen hat. Kapitánis Bonus für dieses Geschäft: bis zu 200 Millionen Dollar. Nun beansprucht dieser Mann Schlüsselpositionen in der ungarischen Energiepolitik. Was sagt das aus? Dass hinter der Partei Tisza ganz konkrete korporative Interessen der USA stehen. Das ist längst keine Politik mehr, sondern der gläserne Verkauf von Souveränität.

JJ 20.03.202608:37 Uhr

Ungarn ist ein Dorn im Auge seit es dabei ist. Unfähig in einer Union zu leben.Nehmen und nicht geben. So war das nicht gedacht.

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