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Päpstlicher als der Papst. Oder: Der Pontifex übt in Luxemburg den Gang nach Canossa
Foto: Andrew Medichini/AP/dpa
Dieser Besuch kommt aus heiterem Himmel: Wer hat den Papst gerufen? Und was will er hier? Vermutlich plant sein Protegé Kardinal Hollerich, dem obersten Gottesvertreter im Schnelldurchlauf sein christliches Musterland Luxemburg zu präsentieren, um seine Chancen auf den heiligen Stuhl zu verbessern. Das wird ein schwieriges Unterfangen, wenn nicht gar eine waghalsige Kamikaze-Nummer. Denn die tiefkatholische, hausgemachte Autokratie gibt es längst nicht mehr. Der flächendeckende großherzogliche Gottesstaat ist spektakulär zerbrochen. Die gesetzliche Trennung von Kirche und Staat auf allen Ebenen war ein epochaler Befreiungsschlag mit denkwürdigen Folgen. Der kirchliche Machtapparat klappte zusammen wie ein Kartenhaus. Dem einschneidenden gesellschaftlichen Fortschritt war die auf ewige Zeiten angelegte katholische Führungsarroganz nicht gewachsen.