Leserforum
Op Lëtzebuergesch alphabetiséieren?
ARCHIV - 15.11.2023, Baden-Württemberg, Stuttgart: Ein Schüler meldet sich in einer vierten Klasse in einer Grundschule. (zu dpa: „Umfrage: Thüringer stehen klar hinter der Schulpflicht“) Foto: Bernd Weißbrod/dpa +++ dpa-Bildfunk +++ Foto: Bernd Weißbrod/dpa
Mit Interesse habe ich den Artikel von Marc Ruppert in ihrer Ausgabe vom 30.4./1.5.26 gelesen, in dem er vorschlägt, Lëtzebuergesch als Alphabetisierungssprache in Schulen zu benutzen.
Ein paar Anmerkungen dazu seien erlaubt: So ist es zum Beispiel für mich nicht nachvollziehbar, wieso für ein französisch- oder romanischsprachiges Kind eine Alphabetisierung auf Luxemburgisch einfacher sein soll als auf Französisch. Die erwähnten Lehnwörter aus dem Französischen helfen vielleicht bei der Verschriftlichung einiger Wörter, aber die Struktur des Luxemburgischen ist doch eine völlig andere. Diese ist doch näher an der deutschen Sprache, deren „Komplexität“ mir für den jungen luxemburgischsprachigen Menschen wohl nicht unüberwindbar ist. So hat doch mancher junge Mensch auch vor dem Erlernen des Schreibens und Lesens durchaus Berührungen mit dieser „komplexen“ deutschen Sprache in sozialen Medien, im Fernsehen oder bei ersten Kinderbüchern gemacht. Für romanischsprachige Kinder war eine Alphabetisierung auf Deutsch natürlich ein gewaltiger Sprung und deshalb wird dies ja jetzt auch auf Französisch angeboten.
Und zum Abschluss möchte ich noch etwas Wichtiges festhalten: Als jemand, der auf der anderen Moselseite gelebt hat, habe ich Luxemburgisch als interne Sprache des Landes, ja als „Nationalsprooch“, immer als Gewinn betrachtet, in der sich auch noch viele von der deutschen Moselseite verständigen können. Aber erst die sichere Kenntnis der Sprachen der beiden großen Nachbarn in Schrift und Ausdruck öffnet den Menschen des Großherzogtums den Blick auf die Welt und schützt vor Provinzialisierung.