Der Politflüsterer

Meischs faules Ei, Friedens irdischer Jetlag und Hollerich als Earl Grey unter den Kardinälen 

Claude Meischs Handyverbot ist wie ein Überraschungsei ohne Spielzeug: ein bisschen enttäuschend

Claude Meischs Handyverbot ist wie ein Überraschungsei ohne Spielzeug: ein bisschen enttäuschend Foto: Tageblatt-Archiv/Julien Garroy

Kennt jemand ein gutes Mittel gegen Jetlag? Luc Frieden könnte es brauchen. Von Osaka nach Rom, im diplomatischen Dauerlauf zum Begräbnis von Papst Francesco. Der Premier wirkt wie die personifizierte Selbstaufopferung – denkt zumindest der Politflüsterer. Oder erinnert sich Frieden etwa ans Kirchenrecht?

Denn jeder getaufte, römisch-katholische Mann kann Papst werden. Rein theoretisch. Und theoretisch wäre Frieden damit im Spiel. Mit Hirtenstab, Fischerring und Tiara, jener päpstlichen Dreifachkrone, die er wahrscheinlich sofort wieder einführen würde – am liebsten mit Triple A und Brüsseler Gütesiegel. Aber nein, der Heilige Geist, vulgo gesunder Menschenverstand würde sich hüten, den Kardinälen so etwas zu flüstern.

Sorgen muss man sich ohnehin nicht machen, denn die Papstwahl ist längst kein mystisches Wunder, sondern eher „Game of Thrones“ in Soutane. Im sogenannten Vorkonklave – kennt man aus dem Film „Konklave“ – wird gewogen, taxiert, vorsortiert. Wer zu leicht ist, darf Kaffee machen. Wer aneckt, zu dominant wirkt, hat schon verloren, bevor es richtig losgeht. Ideale Wahl: jemand Unauffälliges mit Tiefgang. Zum Beispiel – man ahnt es – Jean-Claude Hollerich. Jesuit, europäisch, diplomatisch: der Earl Grey unter den Kardinälen – subtil, aber mit Nachklang.

Zurück zum gesunden Menschenverstand. Der Politflüsterer vermisst ihn. Dringend. Beispiel eins: das Referendum zur Nordstad-Fusion. Mehrheitliches Ja zur Fortsetzung der Gespräche – wohlgemerkt: Gespräche, nicht Fusion! Doch was macht die kommunale Politik in Bettendorf? Sie hört auf zu reden. Kein Win-Win. Eher Lose-Lose. Statt Dialog: Funkstille. Und der Versuch, den schwarzen Peter an die anderen Fusionsgemeinden in spe weiterzureichen? Der ging nach hinten los. Was das wohl für die nächsten Wahlen bedeuten wird, denkt der Politflüsterer. Bis zur Fusion könnte es ja durchaus ein wenig länger dauern.

Beispiel zwei: Bildungsminister Claude Meisch verkündet ein Handyverbot an Grundschulen. Ab Ostern. Klingt mutig. Ist aber wie ein Überraschungsei ohne Spielzeug: ein bisschen enttäuschend. Kein Konzept. Statt Gebrauchsanweisung und Schützenhilfe, Meischs Botschaft an Lehrerinnen und Lehrer: Ihr seid verantwortlich. Macht mal! Das ist nicht das Ei des Kolumbus. Eher ein faules. (Marco Goetz)

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