Forum von Nico Wennmacher

Luxemburger Eisenbahn: Vom Staatsbetrieb zu einem dynamischen Betrieb

Die historische Entwicklung der Luxemburger Eisenbahn zeigt, warum das heutige integrierte CFL-Modell vor allem das Ergebnis des langjährigen Einsatzes und der erfolgreichen Kämpfe der Gewerkschaften sowie der Eisenbahnerinnen und Eisenbahner ist.

Die Bahn und das Schienennetz entwickeln sich stetig weiter – so verschwand bspw. dieser Bahnübergang in Schifflingen vor über sieben Jahren

Die Bahn und das Schienennetz entwickeln sich stetig weiter – so verschwand bspw. dieser Bahnübergang in Schifflingen vor über sieben Jahren Foto: Editpress-Archiv/Isabella Finzi

Anlässlich der Verabschiedung von Jeannot Waringo, als Präsident des Verwaltungsrates der CFL, monierte er: „D’Eisebunn huet sech vun engem Staatsbetrieb zu engem richteg flotten an dynamesche Betrieb entwéckelt.“ Ohne Zweifel verdient das Wirken von Jeannot Waringo als Präsident des CFL-Verwaltungsrates Respekt und Anerkennung. Allerdings funktionierten die CFL nie als Staatsbetrieb, wie etwa die Post. Anfänglich waren es Privatunternehmen, welche die Eisenbahnen betrieben. Schon nach dem Ersten Weltkrieg verlangte der Landesverband die Verstaatlichung der Eisenbahnen. Dieser Forderung wurde nicht Rechnung getragen. Allerdings erwirkte der Landesverband die Verstaatlichung des Personals. Aufgrund eines Gesetzes von 1920 bekamen die Eisenbahner 1921 ein einheitliches öffentlich-rechtliches Statut, welches ihnen eine unkündbare Stelle und geordnete Dienst- und Pensionsverhältnisse bescherte. Dieses Statut verteidigte der Landesverband in der Folge erfolgreich gegen seine konservativen und liberalen Widersacher. So streikte der Landesverband 1949 erfolgreich für das Statut, während der Syprolux abseitsstand.

Zur Person

Luxemburger Eisenbahn: Vom Staatsbetrieb zu einem dynamischen Betrieb

Foto: Editpress/Didier Sylvestre

Nico Wennmacher ist Präsident des Sektors Pensionäre im Syndikat Eisenbahnen/FNCTTFEL-Landesverband

Neue Koalition, neues Gesellschaftsmodell

Zur Gesellschaftsform der nationalen Eisenbahngesellschaft einige Bemerkungen. Während des Zweiten Weltkrieges vereinigten die deutschen Besatzer die verschiedenen Eisenbahnen. Dieser Zusammenschluss wurde nach dem Krieg beibehalten, woraus 1946 die CFL-Gesellschaft entstand. Der Luxemburger Staat, der belgische und der französische Staat waren die Aktionäre dieser Gesellschaft. Dies war sinnvoll, um eine Umfahrung unseres Netzes zu verhindern, was auch in einem Zusatzprotokoll zwischen den 3 Ländern festgehalten wurde. Die Gesellschaft funktionierte mit einem spezifischen Statut und einem Verwaltungsrat, der sehr große Befugnisse hatte. Es gab in der Folge verschiedene Restrukturierungen, bis aufgrund der europäischen Liberalisierungspolitik, das heutige CFL-Modell, nach sozialen Auseinandersetzungen, das Licht der Welt erblickte. Anfang der 2000er Jahre hatten der CFL-Verwaltungsrat und die Generaldirektion, sicher im Auftrag der CSV-DP-Koalition, ein Modell ausgearbeitet, das vorsah, die CFL in 7 Filialen aufzuteilen. Um dies zu verhindern, initiierte der Landesverband 2003, einen Streik, an dem sich auch der Syprolux beteiligte. Zwar versuchte die CFL-Generaldirektion, mit fragwürdigen rechtlichen Argumenten, die wir aber widerlegen konnten, den Streik zu verhindern. Infolge dieses erfolgreichen Streiks verschwanden die desaströsen Pläne, die zu einer weitgehenden Zersplitterung und Privatisierung der CFL geführt hätten. Schließlich bewirkten die politischen Wahlen von 2004, dass die konservativ-liberale Koalition durch eine Koalition zwischen CSV und LSAP abgelöst wurde. Diese neue Regierungskoalition organisierte 2005 eine Eisenbahn-Tripartite, aus welcher das aktuelle Gesellschaftsmodell hervorging. Als Gewerkschaft mussten wir zwar verschiedene Kompromisse eingehen. So wurde die CFL-Gütersparte in eine Gesellschaft zwischen Arcelor-Mittal und CFL ausgelagert. Die Eisenbahner, die zu dieser Gesellschaft, CFL-Cargo, wechselten, behielten ihren Statut, während wir für die neu eingestellten Beschäftigten bei CFL-Cargo einen Kollektivvertrag aushandelten. Für die damaligen und die neu einzustellenden Eisenbahnerinnen und Eisenbahner bei der Muttergesellschaft konnten wir das öffentlich-rechtliche Statut fest verankern. Wenn wir hierzulande weiterhin über ein integriertes Eisenbahnunternehmen verfügen, so ist dies keineswegs der Verdienst des CFL-Verwaltungsrates oder der Generaldirektion, sondern der Gewerkschaften und ihrer Mitglieder, die erfolgreich streikten.

Verdienst der Eisenbahner

Bei seinem Abschied als Präsident des Verwaltungsrates, äußerte sich Jeannot Waringo lobend über das Wirken der Generaldirektion, die dieses Lob sicher verdient hat. Wenn die CFL in der Lage sind, einen qualitativ hochwertigen Transport anzubieten, so ist das vor allem der Verdienst der Eisenbahnerinnen und Eisenbahner, die in den verschiedenen Bereichen ihr Bestes tun, damit die Kunden zufrieden sind. Um dies auch in Zukunft zu gewährleisten, muss die CFL-Gesellschaft stets über genügend, gut ausgebildetes und zufriedenes Personal verfügen. Um dies zu gewährleisten, wäre es meiner Ansicht nach notwendig, die Lohn- und Arbeitsbedingungen zu verbessern.

Anmerkung

Das Tageblatt schätzt den Austausch mit seinen Leserinnen und Lesern und bietet auf dieser Seite Raum für verschiedene Perspektiven. Die auf der Forum-Seite geäußerten Meinungen sollen die gesellschaftliche Diskussion anstoßen, spiegeln jedoch nicht zwangsläufig die Ansichten der Redaktion wider.

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