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Genauigkeit und Textkulturen

Nicht die Digitalisierung selbst habe den negativen Trend zur Ungenauigkeit verstärkt, sondern die jeweilige Form, die das Digitale annimmt, schreibt der Autor

Nicht die Digitalisierung selbst habe den negativen Trend zur Ungenauigkeit verstärkt, sondern die jeweilige Form, die das Digitale annimmt, schreibt der Autor Foto: AFP/Chris Delmas

Wenn ich die gegenwärtige Debattenkultur betrachte, fällt mir am meisten diese grassierende Ungenauigkeit im Umgang mit der Sprache auf. Was heißt es, die „irreguläre Migration“ zu kritisieren? Und was bedeutet ein Aufruf zu „Friedensverhandlungen“ zwischen der Ukraine und Russland? Mit welchem Ziel? Zu welchem Zeitpunkt und unter welchen Vorbedingungen? Sehr vieles bleibt unklar. Sogar die Hauptthesen kranken an großer Ungenauigkeit. Für den Erfolg des Verstehensprozesses ist jedoch kaum etwas wichtiger als die ständige Anstrengung um die Genauigkeit des Ausdrucks und die Vermeidung von Mehrdeutigkeiten. Grobe Ungenauigkeit lädt Missverständnisse ein, und wer verstanden werden will, muss sich daher um Genauigkeit bemühen. Dabei gilt es, sich in andere hineinzuversetzen, um deren informationelle Situation zu erspüren und dann entsprechende Hinweise einzubringen. Das zählte mal zum Handwerk der Hermeneutik. Und es ist eine entscheidende Voraussetzung für jede kritisch-rationale Argumentation in der Öffentlichkeit.

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