Leserforum
Eine verschwundene Empfehlung und ihre neue Relevanz
Es wird regelmäßig wiederholt, sei es von Gesundheitsorganisationen oder, wie dieses Mal wieder, aus der Klimaschutz-Ecke: Der European Scientific Advisory Board on Climate Change – ein unabhängiges Beratungsgremium der EU – empfiehlt in aktuellen Analysen eine deutliche Reduktion der Emissionen im Ernährungssystem und betont ausdrücklich die Förderung „klimafreundlicher Ernährungsweisen“. Dazu gehört auch eine Anpassung des Konsumverhaltens.
Eine konkrete Empfehlung in der Analyse lautet: „Im Vergleich zu den Ernährungsrichtlinien der Mitgliedstaaten und anderen wissenschaftlich fundierten Empfehlungen enthalten die Ernährungsgewohnheiten in der EU im Durchschnitt zu wenig gesunde, pflanzliche Lebensmittel und zu viel rotes Fleisch […] Eine Angleichung der Ernährungsgewohnheiten an die Ernährungsrichtlinien würde somit den Klimaschutz unterstützen und die Kosten im Gesundheitswesen senken, während gleichzeitig die Klimaresilienz gestärkt würde, da gesunde, pflanzliche Lebensmittel weniger Ressourcen pro produzierter Kalorie erfordern.“
Berichte des IPCC und der EAT-Lancet-Commission gehen ebenfalls davon aus, dass besonders der Fleischkonsum in wohlhabenden Ländern deutlich sinken müsste – oft um rund 30 bis 60 Prozent. Diese Einschätzung deckt sich mit aktuellen Empfehlungen.
Ein fast vergessener Flyer
Hinsichtlich der Ernährungsempfehlungen gab es schon eine Empfehlung des luxemburgischen Landwirtschaftsministeriums: Vor genau zehn Jahren veröffentlichte es unter Minister Fernand Etgen über das „Portail Consommateur“ einen Informationsflyer zum Fleischkonsum. Unter Bezug auf die Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) und des European Food Information Council wurde geraten, nicht mehr als 300 bis 600 Gramm Fleisch pro Woche zu essen. Das Dokument ist leider schon längere Zeit nicht mehr online verfügbar. Doch interessant ist dabei, dass sich die Empfehlungen der DGE weiterentwickelt haben: Sie empfiehlt seit 2024 höchstens etwa 300 Gramm Fleisch pro Woche. Somit liegt die aktuelle Empfehlung deutlich unter der Obergrenze des Flyers von 2016.
Zeit für eine aktualisierte Neuauflage!
Hervorzuheben ist, dass solch eine Empfehlung gesunde Ernährung mit einem dringend zu beschleunigenden Klimaschutz einhergeht. Neben dem Landwirtschaftsministerium und seiner Direktion für Verbraucherschutz würde das Thema also auch die zuständigen Ministerien für Gesundheit und Klimaschutz aufhorchen lassen und möglicherweise zu einer Beteiligung anregen.
Zu guter Letzt sei noch erwähnt, dass sich Luxemburg unter der Leitung des Landwirtschaftsministeriums einen nationalen Aktionsplan für ein nachhaltiges Ernährungssystem gibt, der bis 2030 umgesetzt werden soll. Eines der zentralen Handlungsfelder ist die Förderung einer ausgewogenen Ernährung. Na bitte …
Der Flyer bot eine wichtige Information. Die neuen Erkenntnisse bieten nun die Gelegenheit für eine längst überfällige und aktualisierte Neuauflage.