Editorial
Ein Regimewechsel im Iran ist nicht in Sicht
Eine Fortsetzung des Krieges gegen den Iran mit der Absicht, einen Regimewechsel herbeizuführen, könnte im Chaos enden, meint Guy Kemp im Leitartikel.
Das neue geistliche Oberhaupt im Iran ist bereits Teil der Propaganda des Theokraten-Regimes Foto: AFP
Jetzt wird es noch unübersichtlicher: Während US-Präsident Donald Trump meint, dass der Krieg gegen den Iran bald endet, hält der israelische Premierminister Benjamin Netanjahu dagegen: Israel sei „noch nicht fertig“ mit dem Regime in Teheran. Das iranische Volk solle „von dem Joch der Tyrannei“ befreit werden. Immerhin klingt das nach einem konkreten Plan. Der Chaos-Krieger aus Washington hingegen hat sich bislang immer noch nicht klar darauf festgelegt, was er im Iran eigentlich erreichen will. Zwar wollte auch Trump mal einen Regimewechsel in Teheran herbeibomben. Doch offensichtlich hatten die Strategen im Weißen Haus Vertreter aus der zweiten und dritten Reihe des Regimes auf ihrer Liste, um die Nachfolge der zu Kriegsbeginn eliminierten Führung zu übernehmen. Die, wie Trump lapidar feststellte, auch bereits alle tot seien. Insofern war ein Regimewechsel doch nicht das Ziel.
Ohnehin scheint es, dass Trump vielmehr Teil von Netanjahus Plan war. Denn mit dem relativen Ende des Gazakrieges und dem Zwölf-Tage-Krieg im vergangenen Juni gegen das iranische Atomprogramm stellte Netanjahu fest, dass die Gefahren noch nicht alle beseitigt sind. Die Hisbollah ist weiterhin im Libanon präsent und die nuklearen Fähigkeiten, vor allem das angereicherte Uran des Iran, sind weiterhin intakt. Und da Trump, um den Druck auf das Regime in Teheran in den Verhandlungen über das Atomprogramm zu erhöhen, einen zweiten Flugzeugträgerverband und weiteres Militärmaterial in die Region verlegt hatte, war offensichtlich für den israelischen Regierungschef die Gelegenheit gekommen.