Der Politflüsterer

Die Unisex-Toilette und „La merde“

Der Wochenbericht des Politflüsterers liegt vor. Selfie-Diplomatie, rhetorisches Säbelrasseln, „La merde“, ein suspendierter Arzt und Geflüster auf der Unisex-Toilette stehen im Mittelpunkt.

Unisex-Toilette im Escher Rathaus als moderner Begegnungsort für alle Geschlechter

Unisex-Toiletten sind Orte, wo man sich begegnet – auch im Escher Rathaus Foto: dpa/Jens Kalaene

Immer gute Miene zum bösen Spiel, denkt der Politflüsterer, als er am vergangenen Montag ein Foto in der Tageszeitung erblickt. Eine gut gelaunte Clique, u.a. Premierminister Frieden und Außenminister Bettel, zeigt ihr schönstes Selfie-Lächeln. Ort ist die Rockhal, Anlass der Luxembourg Song Contest. An Alex Pretti und Renée Good denkt in diesem Moment wohl niemand, auch nicht die US-Botschafterin in Luxemburg. Auch sie ist Teil der Gruppe, auch sie lächelt, während ihr oberster Chef zu Hause das Erschießen seiner Landsleute in Kauf nimmt. Diplomatie ist eben die Kunst, gleichzeitig freundlich zu schauen und wegzusehen.

Eine Waffe nimmt Innenminister Gloden nicht zur Hand, aber drohen kann er – und zwar so, dass es kracht. Rhetorisch zumindest. Schluss müsse sein mit den Streitereien in den Gemeinderäten. „Ich werde das nicht mehr akzeptieren“, sagte er beim Neujahrsempfang des Syvicol. Und wenn sich die kommunalen Ädilen nicht daran halten? Darauf gab’s keine Antwort, auch nicht auf Nachfrage hin. Die Pistole blieb im Halfter. Der Minister-Sheriff hat ja recht: Politiker sollten den Bürgern Vorbilder sein. Wobei sich gelegentlich der Verdacht aufdrängt, dass sie eher das Spiegelbild dessen sind, was sie vorfinden.

Wo Menschen sind, da menschelt es. Und stinken tut es mitunter auch. Nicht nur in der Muckibude, sondern auch im Kulturbetrieb. Daran fühlt sich der Politflüsterer erinnert, wenn er das Werk betrachtet, mit dem Luxemburg bei der nächsten Kunstbiennale in Venedig vertreten ist. „La merde“ heißt das Projekt. Wollte da eine(r) ehrlich sein? Unweigerlich denkt man an Joseph Beuys oder an Wim Delvoye, der 2008 mit seiner Kunstinstallation „Cloaca“ für Furore sorgte: einer Fäkalienmaschine als Kunstwerk.

Das Leben ist kompliziert geworden. Nicht mal Ärzte sind mehr sicher. Einer wird suspendiert. Andere Ärzte haben ihn angeschwärzt. Die Gesundheitsministerin bezieht Stellung, die Justiz ebenfalls. Und alles in einer Geschwindigkeit, die Schwindel verursacht. So schnell war man selten, außer beim Erklären, warum man nichts erklären kann. Was ist eigentlich mit der suspendierten Anästhesistin im Escher CHEM? So langsam müsste doch bekannt sein, was gegen sie vorliegt. Oder liegt vielleicht gar nichts gegen sie vor?

Und zum Schluss noch ein bisserl Geflüster von der Unisex-Toilette im Escher Rathaus: Es deutet einiges auf einen Wechsel im Escher Schöffenrat hin. Ostern werden wir mehr wissen. In dem Sinne: Abwarten und Tee trinken, rät der Politflüsterer.

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