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Die Ironie der Macht: Thierry Simonelli über den Begriff der Spektakeldemokratie
Der britische Politikwissenschaftler Colin Crouch beschrieb in seinem 2005 erschienenen Buch „Postdemokratie“ (2008 in deutscher Übersetzung beim Suhrkamp Verlag) eine politische Entwicklung, in der demokratische Institutionen, Wahlen, Parlamente, Meinungsfreiheit formal intakt bleiben, während ihre substanzielle Funktion zunehmend erodiert. In der Postdemokratie wird Politik nicht mehr durch offene Debatte und Partizipation bestimmt, sondern durch das strategische Management öffentlicher Meinung: durch Lobbyismus, PR-Agenturen, technokratische Eliten und vor allem durch medial wirksame Inszenierung.
Foto: Editpress/Hervé Montaigu
Der Begriff der „Spektakeldemokratie“, wie ihn etwa Guy Debord und Bernard Manin geprägt haben, erweist sich in diesem Zusammenhang als besonders treffend. Die Spektakeldemokratie rückt die Inszenierungen der Politik in den Vordergrund. In der postdemokratischen Spektakeldemokratie werden Entscheidungen nicht erklärt, sondern dargestellt. Politiker inszenieren sich wie Marken und Entertainer. Das demokratische Verfahren wird damit zum öffentlichen Spektakel, das Zustimmung erzeugen soll, aber keine Mitsprache erfordert.