Leserforum
„Devoir de mémoire“ – Ein Plädoyer für Erinnerungskultur
Angesichts des anhaltenden Krieges in Europa, des Erstarkens rechtsextremer Kräfte, des zunehmenden Antisemitismus und der belasteten transatlantischen Beziehungen wird eines immer deutlicher: Die Erinnerung an die Kriegsjahre, in denen Jüdinnen und Juden, Sinti und Roma, Homosexuelle, Menschen mit Behinderung, Kriegsgefangene und alle andere von einer mörderischen Rassenpolitik als „lebensunwert“ erklärt und systematisch verfolgt und ermordet wurden, ist heute wichtiger denn je. Diese Erinnerung darf nicht zu einer bloßen historischen Pflichtübung werden, sondern muss uns eine dauerhafte Mahnung sein. Papst Johannes Paul II. brachte es auf den Punkt: „Es gibt keine Zukunft ohne Erinnerung, und es gibt keinen Frieden ohne Erinnerung.“ Erinnerung ist mehr als ein Rückblick – sie ist eine Haltung und eine Verantwortung, die auch die dritte und vierte Nachkriegsgeneration tragen. Es liegt an uns, das Bewusstsein für die politischen und moralischen Lehren des Zweiten Weltkriegs lebendig zu halten. Politische Bildung, insbesondere in Schulen, spielt dabei eine zentrale Rolle.