Editorial
Der Kompromiss zwischen CSV und DP in der Toilettenfrage nützt nur der ADR
Um den Koalitionsfrieden zu wahren, ist DP-Bildungsminister Claude Meisch nach der Polemik um geschlechtsneutrale Toiletten mit der CSV einen Kompromiss eingegangen. Er geht zulasten derer, die DP-Gleichstellungsministerin Yuriko Backes mit einer modernen Raumgestaltung eigentlich schützen wollte.
Genderneutrale Toiletten wollen CSV und DP künftig als separates Zusatzangebot zu denen für Mädchen und Jungs einrichten Foto: Editpress/Julien Garroy
Als Claude Meisch am Sonntag mit dem CSV-Abgeordneten Ricardo Marques telefoniert habe, seien sie sich in der Sache einig gewesen, „dass et an de Schoule weiderhi solle Jongentoiletten, Meedercherstoiletten, plus eben och genderneutral Toilettë ginn“, erzählte der DP-Bildungsminister am Montagmorgen im RTL Radio. Sie seien sich auch einig gewesen, dass es getrennte Umkleideräume für Jungs und Mädchen geben soll, und zusätzlich dazu Einzelkabinen und Einzelduschen. „Dat war an der Kommissioun presentéiert ginn, dat wäerte mer och ëmsetzen“, sagte Meisch.
Das ist leider nur die halbe Wahrheit, denn in der Ausschusssitzung vom 27. Januar hatte ein hoher Beamter aus dem Bildungsministerium auf Nachfrage des ADR-Abgeordneten Fred Keup erklärt, im neuen „Lycée technique du Centre“ (LTC) werde nicht mehr zwischen männlicher und weiblicher Toilette unterschieden. Das Pilotprojekt sehe vor, „dass den Agang an den Trakt vun den Toiletten, datt dee gemeinsam ass, onofhängeg vum Geschlecht, onofhängeg vum Alter, onofhängeg vun der Gréisst. Mee den Accès op d’Toilette selwer ass selbstverständlech individuell“. Anders bei den Umkleidekabinen, wo „wahrscheinlich nicht immer“ zwischen einem Jungen- und Mädchenbereich getrennt werde, theoretisch bestehe aber die Möglichkeit, dass man sich die kollektive Umkleide aussucht, die man für gut befinde. Doch das sei schließlich eine Entscheidung der Politik oder der jeweiligen Schule.