Literatur

Wunderland Prenzlberg: Lutz Seiler über das alte neue Berlin

„Stern 111“ erzählt von der Aufbruchstimmung kurz nach dem Mauerfall. Den Geist jener Zeit und das Leben in der Ost-Berliner Boheme fängt er wunderbar ein, als Liebes- und Künstlerroman überzeugt er weniger.

Lutz Seiler

Lutz Seiler Foto: (C) Heike Steinweg

2014 hatte Lutz Seiler für „Kruso“, seine Erkundung der DDR-Gegenkultur der späten 80er Jahre auf der Insel Hiddensee, den Deutschen Buchpreis erhalten. Mit „Stern 111“ knüpft der Autor unmittelbar an diesem Erfolg an, und das nicht nur, weil das Buch bereits mit dem Preis der Leipziger Buchmesse ausgezeichnet wurde. Der neue Roman liest sich fast wie eine Fortsetzung des alten, inklusive Gastauftritten einiger alter Bekannter. In der Chronologie der Ereignisse sind wir bis in die unmittelbare Nachwendezeit vorangeschritten. Wieder geht es um gesellschaftliche Freiräume, um Aussteiger und Unangepasste, um den Traum vom selbstbestimmten Leben, dessen Verwirklichung für einen Moment greifbar nahe erscheint. Der heterotopische Sehnsuchtsort liegt diesmal allerdings nicht am Rande, sondern im Herzen des zerfallenden Ostdeutschlands. Er heißt Berlin, genauer gesagt: Prenzlauer Berg.

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