Mehr als nur einfache Gitarrenriffs

Wie sich Musiker*innen weltweit und in Luxemburg zu politischen Konflikten äußern

Politische Äußerungen von Musiker*innen sorgten in der jüngsten Vergangenheit weltweit für Reaktionen – von den USA bis nach Luxemburg. Wer schweigt und wer Farbe bekennt. Eine Analyse.

Bad Bunny performt in der Halbzeitshow des Superbowls und sorgt mit politischem Statement für Aufruhr bei Donald Trump

„Wir sind keine Wilden, wir sind keine Tiere, wir sind keine Außerirdischen“: Der puertoricanische Künstler Bad Bunny trat in der Halbzeitpause des Superbowls 2026 auf Foto: Mark J. Terrill/AP/dpa

Es ist ein zwiespältiges Thema: politische Äußerungen von Musikerinnen und Musikern. Sie werden für ihr künstlerisches Schaffen verehrt, oft in eine Vorbildrolle gehoben und zwangsläufig zu Kommentatoren der sozialen und politischen Lage – egal, ob in Bezug auf ihr Heimatland oder einen der aktuellen globalen Krisenherde. Wie aber geht man als Fan damit um, wenn einem die Haltung missfällt? Werk von Autorin beziehungsweise Autor trennen?

Spotlight USA

Die unangefochtene Popkönigin Taylor Swift schweigt gerade erstaunlich laut hinsichtlich der Geschehnisse in den USA. Obwohl sie sich vor Jahren klar politisch positioniert hatte – auf der Seite der US-Demokraten. Will sie nun die MAGA-Anhänger unter ihren Fans nicht vergraulen? Von anderen hätte man sich ein Schweigen durchaus gewünscht. Da fällt einem die glühende Donald-Trump-Verehrerin Nicki Minaj ein. Die einstige LGBTQ+-Ikone hat die Seiten gewechselt und liegt Trump zu Füßen. Ebenso wie Kid Rock, der sich für einen Vorzeige-US-Amerikaner hält. Bei öffentlichen Auftritten ähnelt seine Kleidung einer glitzernden Stars-And-Stripes-Litfaßsäule. Bereits im Jahr 2011 soll der schwarze Geistliche und Aktivist Wendell Anthony zu ihm gesagt haben: „Sie sind kein Rassist, sie sind einfach nur dumm.“

Nicki Minaj als LGBTIQA+ Ikone und Trump-Fan in einem Porträt, das Wandel und kontroverse politische Ansichten zeigt

Von der LGBTIQ+-Ikone zum Trump-Fan: Nicki Minaj Foto: MTV International, CC BY 3.0 <https://creativecommons.org/licenses/by/3.0>, via Wikimedia Commons

Schlagzeilen machte zuletzt der puertoricanische Sänger Bad Bunny. Während seiner Dankesrede bei den Grammy Awards sagt er: „Bevor ich Gott danke, sage ich: ‚ICE raus!‘ Wir sind keine Wilden, wir sind keine Tiere, wir sind keine Außerirdischen. Wir sind Menschen und wir sind Amerikaner“. Tage zuvor präsentierte er seine spanischsprachige Superbowl-Halbzeitshow, die den konservativen Teil der US-Bevölkerung auf die Palme brachte. Die dürften ähnlich reagiert haben, als Billie Eilish im Rahmen obiger Preisverleihung erklärte: „Niemand ist illegal auf gestohlenem Land.“ Treffender und knapper brachte es bisher niemand auf den Punkt.

Ein prominenter Kritiker Trumps ist auch Bruce Springsteen. Auf seiner im Mai 2025 veröffentlichten Live-EP „Land Of Hope & Dreams“ attackiert er zwischen den Songs Trumps Regierung scharf. Am 28. Januar dieses Jahres veröffentlichte er zudem den Song „Streets Of Minneapolis“. Dazu schrieb er auf seinen Social-Media-Kanälen: „Ich habe diesen Song am Samstag geschrieben, gestern aufgenommen und heute veröffentlicht, als Reaktion auf den Staatsterror, der über die Stadt Minneapolis hereingebrochen ist. Er ist den Menschen in Minneapolis gewidmet, unseren unschuldigen Nachbarn mit Migrationshintergrund, und in Gedenken an Alex Pretti und Renee Good. Bleibt frei.“ Die ständigen Nadelstiche in Richtung Trump und Co. zeigen Wirkung. Mitte Februar behauptete dessen Kommunikationsdirektor Steven Cheung, Springsteen „leidet an einer schweren Form des Trump-Wahns, der sein Gehirn hat verrotten lassen“.

Der Nahostkonflikt

Der Konflikt zwischen Israel und der Hamas, der nach dem Terrorangriff am 7. Oktober 2023 in einem Krieg gipfelte, ist auch immer wieder in der Musikszene ein Thema. Dem britischen Pink-Floyd-Mitbegründer Roger Waters wurde etwa oft vorgeworfen, antisemitisches Gedankengut zu verbreiten. Er steht der BDS-Kampagne (Boykott, Desinvestitionen und Sanktionen) nahe, „die zum Boykott des Staates Israel und seiner Güter wegen der Palästina-Politik aufruft. Bei Konzerten ließ er Ballons in Schweineform mit einem Davidstern aufsteigen“ (dpa, 22.5.2023).

So weit gehen andere nicht. Während des Auftritts der irischen Band Kneecap beim Coachella-Festival im April 2025 soll jedoch Rapper Mo Chara die Fahne der Hisbollah geschwenkt haben. Die libanesische Terrororganisation ist in Großbritannien verboten, was dazu führte, dass Kneecap vor Gericht des Terrorismus angeklagt wurden. Außerdem soll Mo Chara zuvor bei einem Auftritt in London „Up Hamas, Up Hezbollah“ gerufen haben. All dies führte zu einer Spaltung innerhalb der Musikszene. Die eine Seite verurteilte die Band; die deutschen Festivals Hurricane und Southside luden sie gar aus. Andere stellten sich hinter sie, unter anderem Pulp, Sleaford Mods, Idles, Fontaines D.C., Massive Attack und Paul Weller. Die Band tritt im November im Atelier in Luxemburg-Stadt auf.

Die Band erklärte im April 2025 unterdessen, „weder jetzt noch in der Vergangenheit die Hamas oder die Hisbollah“ unterstützt zu haben. Zwei Monate später musste Mo Chara vor einem Londoner Gericht erscheinen. Er wurde vor dem Gebäude von einer großen Menge Sympathisanten, der auch Weller angehörte, empfangen und noch am selben Tag gegen Kaution freigelassen, nachdem seine Anwälte die Gültigkeit des Verfahrens angefochten hatten. Im September wurde das Verfahren wegen eines Formfehlers eingestellt.

Rebellion aus Deutschland und Luxemburg

Es braucht aber keinen Blick in die Ferne, um politisch aktive Musikerinnen und Musiker ausfindig zu machen. Es gibt zahlreiche deutsche Bands, die sich ganz klar gegen Faschismus positionieren – beispielsweise die ostdeutschen Metaller Heaven Shall Burn, die Punkrocker Donots und Beatsteaks. Letztere traten im Frühjahr 2024 in zwölf ostdeutschen autonomen Jugendzentren auf. Ein mutiges Statement gegen das Aufkeimen des Rechtsradikalismus – nicht nur in Ostdeutschland. Dafür erhielt die Band den Sonderpreis der „1Live-Krone“ und rief andere zum Nachahmen auf.

Serge Tonnar, luxemburgischer Musiker, bei politischer Aktion 2024 „Kënschtler géint ADR“ mit Unterschriftensammlung

Serge Tonnar ist für seine Stellungnahmen zur Politik bekannt. Doch auch in der luxemburgischen Underground-Musikszene gibt es viele engagierte Künstler*innen. Foto: Editpress/Fabrizio Pizzolante

Im Februar 2024 veröffentlichten luxemburgische Kunstschaffende (auch aus der Sparte Musik) einen Offenen Brief, in dem sie ihre Regierung aufforderten, „einen sofortigen und dauerhaften Waffenstillstand in Gaza zu verlangen“. Zwei Monate später folgte ein weiterer Offener Brief. Diesmal warnten sie davor, bei den Europawahlen die ADR zu wählen: „Wenn Ihnen Luxemburg und seine Kultur etwas bedeuten: Wählen Sie unter keinen Umständen die ADR.“ Wäre es nur immer so einfach, die politische Haltung von Musikerinnen und Musikern auszumachen.

Oder sollten es alle wie Radiohead-Gitarrist Johnny Greenwood halten, der Mitte Februar gegenüber The Times erklärte: „Ich denke, Musik und Kunst sollten über politische Belange hinausgehen. Wenn ich aufhören sollte, mit Musikern zusammenzuarbeiten, weil ich ihre Regierungen nicht mag, dann würde ich mit keinem von ihnen zusammenarbeiten. Tatsache ist, dass uns als Musiker nicht unsere Nationalität ausmacht. Aber dieser Punkt scheint nicht anzukommen.“

Die einen gehen noch auf Morrissey-Konzerte – wie kürzlich in der Escher Rockhal (siehe hierzu auch die Tageblatt-Ausgabe vom 23. Februar) –, andere sehen in dem früheren The-Smiths-Sänger keinen reinen Provokateur, sondern einen Faschisten und boykottieren etwa seine Konzerte. Letztlich muss jeder selbst eine politische Positionierung abwägen. Und jeder Fan muss für sich entscheiden, wie damit umzugehen ist.

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