Nationalfeiertag

„Wie ein erster Geburtstag“ – Großherzog Guillaume hält Philharmonie-Rede

Die traditionelle Zeremonie in der Philharmonie stand dieses Jahr im Zeichen der Erneuerung. Es war nämlich Großherzog Guillaumes erste Ansprache am Nationalfeiertag. Dabei wandte er sich auch direkt ans Publikum. Und: Eine 12-Jährige brachte das Staatsoberhaupt zum Stehen.

Großherzog Guillaume erstmals beim Nationalfeiertag in der Philharmonie feierlich anwesend

Guillaume war zum ersten Mal als Großherzog am Nationalfeiertag in der Philharmonie anwesend Foto: Editpress/Didier Sylvestre

Die Zeremonie in der Philharmonie ist als Tradition zu den Feierlichkeiten fest verankert. Dieses Jahr gab es allerdings eine Premiere: Es war die erste Ansprache von Großherzog Guillaume zu diesem Anlass. „Es ist fast wie Ihr erster Geburtstag“, kündigte Premierminister Luc Frieden (CSV) das Debüt des Staatsoberhauptes bereits während der eigenen Rede an.

Die Zeremonie vor geladenen Gästen aus der Öffentlichkeit und der Politik begann zunächst jedoch ganz traditionell. Guillaume und seine Frau, Großherzogin Stéphanie, betraten den Saal, begleitet von der großherzoglichen Hymne Wilhelmus, gespielt vom Orchester der Philharmonie. Musikalisch ging es dann weiter, mit einer eigens für den Anlass komponierten Melodie. Geschrieben wurde sie von Jean-Jacques Maillet, der sich in einer Jury-Wahl gegen acht weitere Kandidaten durchgesetzt hatte.

Die eigenen Schwächen eingestehen

Premierminister spricht vor Publikum und betont den Zusammenhalt der Bevölkerung für nationale Einheit

Der Premierminister beschwor den Zusammenhalt der Bevölkerung Foto: Editpress/Didier Sylvestre

Luc Frieden hob in seiner Rede den Einsatz aller Luxemburger hervor. „Was Luxemburg ausmacht, sind seine Bewohner.“ Die aktuelle Welt sei eine komplexe und von Krieg und Unsicherheiten geprägt. Aber: „Genau in diesen Momenten müssen wir zusammenhalten.“ Das habe Luxemburg, seit jeher ein diverses Land, schon immer ausgemacht.

„Ich stelle fest, dass die Menschen heute andere Fragen haben, als noch vor Jahrzehnten“, sagte Kammerpräsident Claude Wiseler (CSV) in seiner Ansprache. „Ich verspüre heute nicht mehr den unerschütterlichen Optimismus der Jugend.“ Luxemburg stehe vor Herausforderungen, und es sei wichtig, sich der eigenen Schwächen bewusst zu sein. „Wir haben uns zu lange auf andere verlassen.“ Das Großherzogtum müsse sich daher neu positionieren. „Ich weiß nicht, ob uns das gelingen wird, aber ich glaube daran.“ Weiter hob er die Stärken des Landes hervor: Freiheit, Offenheit und Zusammenhalt. Seine Rede beendete Wiseler mit einem „Vive Lëtzebuerg“ in mehreren Sprachen, darunter unter anderem Französisch und Deutsch, aber auch Portugiesisch und Italienisch.

Kammerpräsident Claude Wiseler spricht über aktuelle Herausforderungen in Luxemburg im politischen Kontext

Kammerpräsident Claude Wiseler sieht Luxemburg vor Herausforderungen Foto: Editpress/Didier Sylvestre

12-jährige Eloise spielt Geige leidenschaftlich, erhält stehende Ovationen vom Großherzog bei klassischem Konzert

Das Geigenspiel der 12-jährigen Eloise wurde auch vom Großherzog mit stehenden Ovationen bedacht Foto: Editpress/Didier Sylvestre

Souveräne erste Rede von Guillaume

Zwischen den Reden und der Auszeichnung verdienter Luxemburger durch den Großherzog spielte das Orchester erneut. Insbesondere die 12-jährige Geigenspielerin Eloise Marie Aubert sorgte für Begeisterung im Saal. Ihr Solo wurde mit Standing Ovations honoriert.

Den Schlussakt bildete dann die erste Rede von Großherzog Guillaume zum Nationalfeiertag. Scheinbar leicht nervös nahm das Staatsoberhaupt zunächst einen Schluck Wasser aus einem Glas, das ihm gereicht wurde. Seine Rede hielt er jedoch souverän und mit ruhiger Stimme. Höchstens einige wenige Versprecher ließen erahnen, dass es sich um seine erste Ansprache in der Philharmonie handelte.

Großherzog Guillaume spricht bei Rede und betont die Bedeutung der Jugend für die Zukunft Luxemburgs

Großherzog Guillaume hob in seiner Rede vor allem die Jugend hervor Foto: Editpress/Didier Sylvestre

Kontinuität und Erneuerung als Symbole

In seiner Rede hob er vor allem die Jugend des Landes hervor. Diese sei Symbol von Kontinuität und Erneuerung zugleich, womit Guillaume symbolisch die Brücke zu seiner eigenen Premiere schlug. Aber auch die Demokratie und der Erhalt ebendieser waren zentrale Bestandteile seiner Ansprache. Weiterhin hob der Großherzog einige Symbole des Nationalfeiertages hervor: den Fackelzug am Vorabend in der Stadt, die Zeremonie in der Philharmonie sowie die Militärparade. Letztere setzte er in den Kontext der aktuellen weltpolitischen Lage. „Heute beginnt unsere Freiheit bereits in der Ukraine.“ Zum Schluss wandte er sich ans Publikum. „Warum seid Ihr heute anwesend?“ Jeder habe seine eigene Begründung, was für ihn diese Zeremonie ausmache.

Das Großherzogliche Ehepaar verließ nach dem Singen der „Heemecht“ und der europäischen Hymne schließlich den Saal. Auch dieses Mal wurde „De Wilhelmus“ gespielt. Damit endete ein Morgen, der im Zeichen der Erneuerung stand, dann doch ganz traditionell.

Die Geehrten

Auch dieses Jahr zeichnete der Großherzog wieder einige verdiente Bürger des Landes aus. Die Laudatio hielt jeweils der Premierminister.

Patrizia Van der Weken

Patrizia Van der Weken erhält Auszeichnung für sportliche Verdienste bei feierlicher Ehrung

Patrizia Van der Weken wurde für ihre Verdienste im Sport geehrt Foto: Editpress/Didier Sylvestre

Die Sprinterin Patrizia Van der Weken vertrete Luxemburg auf beeindruckende Art und Weise in der internationalen Leichtathletik-Weltspitze. Sie sei eine außergewöhnlich schnelle Botschafterin unseres Landes. Zu ihren größten Erfolgen zählen jeweils eine Bronzemedaille bei den Europa- und Weltmeisterschaften in der Halle sowie Gold bei der Diamond League. Zusätzlich hält sie mehrere Landesrekorde auf den Sprintdistanzen.

Großherzog Guillaume verlieh ihr den „Chevalier couronne de chêne“.

Anne Knepper

Anne Knepper erhält Auszeichnung für Mut und Wagnis bei inspirierendem Event

Anne Knepper wurde für den Mut zum Wagnis honoriert Foto: Editpress/Didier Sylvestre

Als Studentin der Wirtschaft sei Anne Knepper eigentlich für einen Bürojob prädestiniert gewesen. Doch sie entdeckte ihre Liebe zum Kochen und machte diese Passion zum Beruf. Ihr Handwerk habe sie in renommierten Küchen verfeinert. Die junge Köchin wurde 2025 als erste Frau mit dem „Jeune chef de l’année“ ausgezeichnet. Vor allem aber sei die Restaurantbesitzerin eine Inspiration dafür, dass Mut, einen anderen Weg einzuschlagen, sich lohnen könne.

Großherzog Guillaume verlieh ihr den „Chevalier couronne de chêne“.

Eugen Keller und Marko Sorgen

Eugen Keller und Marko Sogen erhalten Auszeichnung für Zivilcourage bei feierlicher Ehrung mit weiteren Gästen

Eugen Keller (2. v.l.) und Marko Sogen (3. v.l.) wurden für ihre Zivilcourage geehrt Foto: Editpress/Didier Sylvestre

Die beiden wurden während einer Mittagspause Zeuge, wie eine Person in der Mosel in Not war. Ohne zu zögern und ohne Angst vor der Gefahr für das eigene Leben seien Eugen Keller und Marko Sorgen ins kalte Wasser gesprungen und hätten Erste Hilfe geleistet. Ihr Einsatz gehe weit darüber hinaus, was im Alltag zu verlangen sei. Ihr Mut sei in der heutigen Zeit nötig.

Großherzog Guillaume verlieh ihnen die „Médaille d’honneur pour acte de courage et de dévouement en vermeil“.

René Closter

René Closter bei Ehrung für seinen Einsatz und Beitrag zum Rettungsdienst in Luxemburg, Gruppenfoto mit Auszeichnungen

René Closter (2. v.l.) wurde für seinen unermüdlichen Einsatz und seinen fundamentalen Beitrag zum Rettungsdienst in Luxemburg geehrt Foto: Editpress/Didier Sylvestre

Der ehemalige Feuerwehrmann fuhr in seiner Karriere mehr als 14.000 Einsätze bei der Ambulanz der Berufsfeuerwehr. Ein weiterer Verdienst kam 1988, als er die Luxembourg Air Rescue (LAR) gründete. Wo andere ein Problem sahen, habe er eine Lösung geschaffen. Ihre Flotte an Rettungshubschraubern und Flugzeugen ist heute nicht mehr aus dem Rettungswesen im Großherzogtum wegzudenken.

Großherzog Guillaume verlieh ihm den „Commandeur ordre de mérite“.

Vicky Krieps

Vicky Krieps wurde aufgrund ihrer schauspielerichen Leistungen geehrt

Vicky Krieps wurde aufgrund ihrer schauspielerichen Leistungen geehrt Foto: Editpress/Didier Sylvestre

Die Schauspielerin Vicky Krieps habe sich auf den größten internationalen Bühnen durchgesetzt und so dem Land und seiner Filmszene Visibilität verpasst. Vor allem ihre Darstellungen von starken Frauen hätten ihr Anerkennung gebracht. So habe sie einen außergewöhnlichen kulturellen Beitrag geleistet. Sie wurde unter anderem bei den Internationalen Filmfestspielen von Cannes sowie mit dem Europäischen Filmpreis ausgezeichnet.

Großherzog Guillaume verlieh ihr den „officier couronne de chêne“.

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