Grevenmacher

Von der Lehrerin zur Bürgermeisterin: Monique Hermes‘ Weg

In Grevenmacher ist Monique Hermes (76) bekannt wie ein bunter Hund. Nicht nur, dass ehemalige Schüler ihre Arbeitskollegen sind. Als Bürgermeisterin der 5.000 Einwohner zählenden Gemeinde verheiratet sie mittlerweile die Kinder mancher Schüler. Und sie hat eine Waffe: Wenn man sie nicht sieht, hört man sie.

Monique Hermes im Rathausbüro mit griffbereiten aktuellen Akten auf dem Schreibtisch

Monique Hermes in ihrem Büro im Rathaus: Aktuelle Akten hat sie immer griffbereit Foto: Editpress/Julien Garroy

Auf ihre „Waffe“ angesprochen lacht sie hinter ihrem Schreibtisch im Bürgermeisterbüro des Rathauses. Wenn sie spricht, hört man zu. Sie hat die deutliche Aussprache eines geübten Schauspielers in einem angenehm dunklen Timbre und verbreitet natürliche Autorität. Sie ist faktisch und konstruktiv orientiert, oft schlagfertig und witzig.

Eigene Kinder hat sie keine, so stehen lassen will sie es aber nicht. „Ich hatte 786“, sagt sie ins erstaunte Gesicht des Gegenübers. Knapp vier Jahrzehnte ist sie Lehrerin an der Grundschule der Gemeinde, bevor ihre politische Karriere beginnt. Zum Schluss begleitet sie Umbau und Erweiterung des über hundert Jahre alten Gebäudes, das sich medial als „Schulpalast“ einen Namen gemacht hat.

Den Titel „Schuldirektor“ gibt es damals noch nicht. Es war ihr egal. Sie wird 2009 bei der Einweihung des sanierten Gebäudes gefragt, ob sie die Führungen macht. „Monique kennt sich am besten aus“, heißt es. Es entspricht ihrer zupackenden und auch ansonsten energischen Art. „Wenn ich etwas will, dann muss das auch passieren“, sagt sie.

„Femme d’Europe“ und Vereinsmensch

Sie hat Theologie in Innsbruck und Paris studiert. Beruflich konnte sie das nie verwenden, aber es kommt ihr beim Schreiben zugute. Drei Jahrzehnte lang verfasst sie nebenberuflich kirchliche Beiträge beim Wort, sitzt in Gemeinderäten, um darüber zu schreiben, und gibt lange Zeit als Mitverantwortliche die mittlerweile eingestellte nationale Kinderzeitung „Zack“ heraus.

1992 wird sie Luxemburgs Kandidatin für die Auszeichnung „Femme d’Europe“ und erhält den „Mérite européen“ in Bronze. Sie bringt damals Kindern Europa nahe und konzipiert eine Serie, die sie damals „kommt, wir bauen Europa“ nennt. Das war zu den Zeiten, als die EU noch aus zwölf Ländern bestand. Heute ist das Thema aktuell wie nie, nicht nur für Kinder.

Wenn ich etwas will, dann muss das auch passieren

Monique Hermes

Bürgermeisterin

Monique Hermes ist ein Vereinsmensch, war seinerzeit Mitgründerin der lokalen „Amicale Guiden a Scouten“ und ist seit mehr als 40 Jahren in der Kulturkommission der Gemeinde. Geschichte interessiert sie. Das hat ihr Großvater, der zwei Weltkriege miterlebt hat, bei der jungen Monique geweckt. Es gibt kaum ein Thema, über das sie nicht aus dem Stegreif historische Fakten zitieren kann.

Streng, aber gerecht

Sie ist in der Luxemburgensia zu Hause. Nach ihrer Pensionierung im Herbst 2009 ordnet sie das historische Archiv der Gemeinde im Rathaus. „Ich brauche ein geordnetes Chaos“, kokettiert sie. Während ihrer Zeit als Lehrerin ist Fordern und Fördern ihr Motto. „Wohl streng, aber gerecht“ wird ihr nachgesagt.

Sie ist noch immer beliebt und ehemalige Schüler suchen ihre Nähe, wenn sie ihr auf der Straße begegnen. Heute ist aus der Strenge Geradlinigkeit geworden. Monique Hermes nimmt keine Umwege. Das gilt auch verbal. Sie ist ehrlich und geradeheraus. „Das kommt nicht immer gut an“, weiß sie und nimmt es in Kauf.

Ein politisches Engagement auf nationaler oder europäischer Ebene lehnt sie lange ab. Sie ist langjähriges Mitglied der CSV. 2011 entschließt sie sich, auf lokalem Niveau mitmischen zu wollen. Sie wird auf Anhieb die Schöffin von Bürgermeister Léon Gloden (CSV). Das Gleiche wiederholt sie bei den Kommunalwahlen 2017.

2023 sollte für sie eigentlich Schluss sein. Aber die Aussicht auf ein Leben ohne Aufgabe macht sie unglücklich. 171 Stimmen hat sie weniger als Léon Gloden und schafft erneut den Einzug in den Gemeinderat. Als die Ehrung für die beiden kommunalen Spitzenpolitiker und für die anderen Gewählten auf der vor Menschen überquellenden „Marie-Astrid“ stattfindet, ahnt sie noch nicht, dass sie bald Bürgermeisterin wird.

Fairness und Respekt

Als Léon Gloden Monate später Innenminister wird, nimmt sie die Herausforderung an. Sie wollte und will Grevenmacher weiterbringen. Ein naher Freund schreibt am Wahlabend: „Jetzt geht es zu Gold über“. Die Quasten am Ende der Schärpe des Bürgermeisters sind goldfarben, die der Schöffen glänzen in Silber. Ihr erster Gedanke ist: „Du kannst und darfst die Grevenmacher Bevölkerung nicht enttäuschen.“

Sie fühlt sich von ihr getragen, die Menschen geben ihr Halt. Seitdem sitzt sie tagtäglich in ihrem Büro mit Blick auf den Rathausplatz und hat die aktuellen Akten parat. Das Wehren gegen die Tanklager, bezahlbarer Wohnungsbau und das größte Projekt der Zukunft wie der Umbau des Schulkomplexes liegen griffbereit.

Der Schulcampus soll zeitgemäßer werden. „Wenn man an der Spitze einer Gemeinde steht, muss man alle Aspekte betrachten und abwägen“, sagt sie. Das ist nicht immer leicht. Fairness liegt ihr am Herzen. Sie pflegt ein gutes Klima im Gemeinderat. Respektvoll soll es zugehen trotz Differenzen mit der Opposition. „Wir schreien uns nie an“, sagt sie. „Wer schreit, hat keine Argumente.“

Wo erholt sie sich? Beim Reisen. Monique Hermes reist gerne und ist letztes Jahr 270 Kilometer im Vorarlberger Montafon gewandert. Ein weiteres Lieblingsland ist Norwegen, wo sie schon elf Mal war. „Nach einem Tag in diesem Land bis Du ‚zen‘“, sagt sie und hat sich für nächstes Jahr die Hurtigruten vorgenommen. Für ihr Hobby und ihre Arbeit gilt: Solange es ihr gesundheitlich gut geht, macht sie es. Es ist ihr zu wünschen, dass es so bleibt.

Frauen in der Lokalpolitik

Bei den letzten Lokalwahlen am 11. Juni 2023 kandidierten 1.483 Frauen und 2.364 Männer. Die Angaben stammen aus einer Presseerklärung des Innenministeriums am 26. April 2023. Das waren 38,55 Prozent Frauen und 61,45 Prozent Männer. Damit stieg der Anteil der Frauen leicht im Vergleich zur Kommunalwahl 2017 (35,78 Prozent). Knapp 20 Prozent der gewählten Frauen erreichten damals einen Bürgermeisterposten.

In dieser Serie stellen wir in loser Reihenfolge aktive Frauen in der Lokalpolitik vor.

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