Im Kino
Von Wal verschluckt: In „Whalefall“ kämpft ein Taucher nicht nur ums Überleben
Mit seinem Survival-Thriller „Whalefall“ verbindet Brian Duffield den Mythos des verschlungenen Menschen mit einer Geschichte über Verlust und die Versöhnung zwischen Vater und Sohn. Die ungewöhnliche Prämisse trägt einen körperlich intensiven Überlebenskampf, dessen dramaturgische Konstruktion jedoch allzu sichtbar bleibt.
In „Whalefall“ wird Austin Abrams auf der Suche nach seinem verstorbenen Vater von einem Pottwal verschluckt Quelle: imdb.com
Seit jeher nimmt der Wal einen besonderen Platz in der menschlichen Vorstellungswelt ein. Als Bewohner unergründlicher Meerestiefen verkörpert er die Faszination für das Unbekannte ebenso wie die Angst vor einer Natur, die sich menschlicher Kontrolle entzieht. In Herman Melvilles „Moby Dick“ (1851) wird er zur Projektionsfläche menschlicher Obsessionen, während die biblische Erzählung von Jona das Verschlungenwerden mit Läuterung und Wiedergeburt verbindet. Auch Carlo Collodis „Pinocchio“ (1883) greift das Motiv auf: Im Bauch eines Meeresungeheuers begegnet der Junge seinem verschollenen Vater. Das Innere des Tieres ist damit nicht bloß ein Gefängnis, sondern auch ein Ort der Bewährung und möglichen Versöhnung.