Theater
„Sein oder Nichtsein“ am TNL: Der Touch der Subversion
Aktuell wie eh und je ist Ernst Lubitschs Filmkomödie „Sein oder Nichtsein“ aus dem Jahr 1942. Frank Hoffmann hat sie für das „Théâtre national du Luxembourg“ inszeniert. Er bleibt nah an Nick Whitbys Bühnenfassung des Kinoklassikers, der nichts von seiner Aussagekraft verloren hat. Das Stück wird im neuen TNL‑Atelier gezeigt.*
Humorvoller Widerstand statt Shakespeares Königsdrama „Hamlet“ – das Ensemble des Polski-Theaters. Am Schminktisch die Diva Maria (Jacqueline Macaulay), links ihr nicht minder divenhafter Ehemann Joseph Tura (Wolfram Koch). Foto: Bohumil Kostohryz
Warschau im August 1939, kurz vor dem Ausbruch des Einmarschs der deutschen Wehrmacht. Satire darf alles, heißt es. Aber die polnische Regierung hütet sich davor. Sie hält es für keine gute Idee, Adolf Hitler zu beleidigen, und setzt kurzerhand die antifaschistische Gestapo-Satire „Ein Geschenk von Hitler“ vom Spielplan des Polski-Theaters ab. Stattdessen soll William Shakespeares „Hamlet“ gespielt werden. Es ist eine Paraderolle für Joseph Tura, den Star des Ensembles. Während er seinen Monolog über „Sein oder Nichtsein“ vorträgt, empfängt seine Frau Maria einen jungen Leutnant in ihrer Garderobe.
Einen Monat später hat Hitler Polen trotzdem überfallen. Nun führen die Nazis selbst Regie – und Polen ist ihre Bühne. Auf dieser erhält das Ensemble doch die Gelegenheit, die erprobten Rollen zur Aufführung zu bringen. Diesmal allerdings spielen sie um ihr Leben. Ausgerechnet Maria Turas Geliebter hat sich als Widerstandskämpfer entpuppt. Die Schauspieler schlüpfen in die Uniformen des Feindes. Joseph Tura verwandelt sich in SS-Gruppenführer Ehrhardt, um einen Professor, der die Résistance an die Nazis verraten will, in eine Falle zu locken. Und das Polski-Theater wird zum Gestapo-Hauptquartier.